Denkmalgerechte Sanierung und städtebauliche Aufwertung der alten Brücke

Die Landeshauptstadt Saarbrücken saniert die „Alte Brücke“ denkmalgerecht. Im Zuge eines planerischen Gesamtkonzepts soll ein landschaftsprägendes Erscheinungsbild entstehen.

Zur Sanierung hatte die Stadt einen europaweiten Planungswettbewerb mit anschließendem Vergabeverfahren nach Vergabeverordnung (VgV) ausgelobt. 

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Der Siegerentwurf - Foto: Michael Botor/Modellierung Sweco GmbH, Ferdinand Heide Architekt Planungsgesellschaft mbH, DLA Die Landschaftsarchitekten Bittkau-Bartfelder PartG mbB

Der Siegerentwurf - Foto: Michael Botor/Modellierung Sweco GmbH, Ferdinand Heide Architekt Planungsgesellschaft mbH, DLA Die Landschaftsarchitekten Bittkau-Bartfelder PartG mbB

Der Siegerentwurf - Foto: Michael Botor/Modellierung Sweco GmbH, Ferdinand Heide Architekt Planungsgesellschaft mbH, DLA Die Landschaftsarchitekten Bittkau-Bartfelder PartG mbB

Denkmalgerechte Sanierung

Die Alte Brücke in Saarbrücken ist eine historische Bogenbrücke über die Saar und verbindet die Stadtteile Alt-Saarbrücken und St. Johann. Errichtet wurde sie zwischen 1546 und 1549 auf Veranlassung von Graf Philipp II. und auf Wunsch von Kaiser Karl V., der die Saar auf dem Weg nach Frankreich überqueren wollte und aufgrund eines Hochwassers mehrere Tage aufgehalten wurde.

Sie ist die älteste noch erhaltene Steinbrücke über die Saar und ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung.

Ausgangslage und Zielsetzung

Ausgangspunkt für die geplante Sanierung ist der bauliche Zustand der Brücke, der eine grundlegende Instandsetzung erforderlich macht. Die Maßnahme erfolgt denkmalgerecht; sämtliche Planungsschritte wurden und werden eng mit dem Landesdenkmalamt abgestimmt.

Sämtliche Planungsschritte wurden und werden eng mit dem Landesdenkmalamt abgestimmt.

Der Steg über die Saar steht nicht unter Denkmalschutz und soll ebenfalls erneuert werden. Durch die Verbreiterung des Steges über der Stadtautobahn wird die bestehende Nutzungseinschränkung aufgehoben.

Ziel der Sanierung ist es, die Alte Brücke dauerhaft zu sichern, ihre historische Wirkung als Teil eines bedeutenden städtebaulichen Ensembles zu stärken und die Fuß- und Radwegeverbindungen an den Brückenköpfen sowie auf Höhe des Leinpfads auf Alt-Saarbrücker Seite zu verbessern. Darüber hinaus soll die Aufenthaltsqualität entlang der Saar durch neue Freiflächen und Grünräume nachhaltig gesteigert werden.

Aktuelle Ansichten

Eigentümerstruktur

Die Alte Brücke hat drei Eigentümer:

  • die Autobahn GmbH (Steg über der Autobahn)
  • das Wasser- und Schifffahrtsamt (Brückenteile in und über der Saar)
  • die Landeshauptstadt Saarbrücken (Straßenaufbau über der Saar sowie sonstige landseitige Aufbauten und Brückenteile)

Planungswettbewerb

Aufgrund der historischen und stadtbildprägenden Bedeutung wurde die Planung über einen europaweit ausgelobten Wettbewerb zur denkmalgerechten Sanierung und städtebaulichen Aufwertung durchgeführt.

Zahlreiche Wettbewerbsbeiträge wurden eingereicht und von einem neunköpfigen Preisgericht aus Verwaltung und Fachöffentlichkeit bewertet. Der erste Preis ging an ein Team aus Sweco GmbH, Ferdinand Heide Architekt Planungsgesellschaft mbH und DLA Die Landschaftsarchitekten Bittkau-Bartfelder PartG mbB.

Das Preisgericht würdigte insbesondere den sensiblen Umgang mit der historischen Substanz:
„Die Arbeit zeigt auf angenehme Weise eine noble, fast bescheidene Haltung, wie das Ensemble Alte Brücke, Brückenkopf Alt-Saarbrücken und Brückenkopf St. Johann wieder in Wert gesetzt werden kann und wie eine neue Brückenkonstruktion eine zeitgemäße Antwort findet. Mit ihr wird eine neue Schicht den historischen Schichten hinzugefügt.“ (Aus dem Protokoll des Preisgerichts unter Vorsitz von Prof. Markus Neppl, ASTOC/KIT Fachgebiet Stadtquartiersplanung, Köln.)

 

Downloads

Laden Sie hier die Planungsunterlagen zu den Entwürfen als PDF-Datei herunter und erfahren Sie Details zur jeweiligen Planung.  

Bauliche Maßnahmen

Zum Projekt gehört die Freilegung historischer Brückenpfeiler sowie die restaurative Wiederherstellung struktureller Elemente wie der gemauerten Brüstung. Ziel ist es, die ursprünglichen Proportionen und das Erscheinungsbild der Brücke wieder klarer ablesbar zu machen.

Im Zuge der weiteren planerischen Vertiefung wurde gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt entschieden, die historischen Bastionen nicht rekonstruierend wiederherzustellen. Ziel ist es, die Authentizität des Bauwerks zu wahren und die Baugeschichte so erlebbar zu machen, dass sie den gewachsenen Charakter der Brücke nicht überformt. Damit folgt die Maßnahme dem denkmalpflegerischen Grundsatz, historische Substanz zu sichern und zu stärken.

Mit der neuen steinernen Brüstung und dem Rückbau nachkriegszeitlicher Aufbauten wird ein prägendes Gestaltungselement geschaffen, das dem historischen Erscheinungsbild der Alten Brücke gerecht wird. Die Maßnahme macht die handwerkliche Baukunst vergangener Jahrhunderte wieder erlebbar und erfüllt einen hohen denkmalpflegerischen Anspruch.

Zur denkmalpflegerischen Projektbegleitung auf städtischer Seite wurde Hans Mildenberger beauftragt.

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Blick vom Schloss auf die alte Brücke - Thomas Ernst

Blick vom Schloss auf die alte Brücke - Thomas Ernst

Blick vom Schloss auf die alte Brücke - Thomas Ernst

Verkehr und Barrierefreiheit

Barrierefreie Zugänge über Rampen, integrierte Aufzüge und großzügige Freitreppen stärken künftig die Verbindung zwischen Tbilisser Platz, Saarufer und Schlosskirchplatz.

Der Brückenteil über der Autobahn wird durch eine moderne Stahl- und Geländerkonstruktion ergänzt, die eine funktionale Verbindung zwischen dem historischen Bestand und dem neuen Abschnitt über die A 620 herstellt. Hier erfolgt eine enge Detailabstimmung mit der Autobahn GmbH; die finale Freigabe steht noch aus.

Während der Bauphase soll die A 620 – abhängig von den konkreten Arbeiten – überwiegend vierspurig befahrbar bleiben. In der Franz-Josef-Röder-Straße ist nach aktuellem Stand mit dem Wegfall weniger Parkplätze zu rechnen.

Die neue Radrampe zum Leinpfad auf Alt-Saarbrücker Seite wird die Anbindung des Radverkehrs zwischen den beiden Stadtteilen deutlich verbessern.

Häufig gestellte Fragen

  • Warum fand ein Planungsverfahren statt?

    Um den komplexen Anforderungen an Denkmalschutz, Sanierung und gestalterischer Qualität gerecht zu werden, hat die Landeshauptstadt Planerteams unterschiedlicher Fachdisziplinen gesucht. Landschaftsarchitekten und/ oder Stadtplaner sollten in Zusammenarbeit mit Brückeningenieuren und Verkehrsplanern im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbes einen Entwurf für die Alte Brücke sowie die angrenzenden Areale, die sogenannten Brückenköpfe erstellen.

  • Welche Voruntersuchungen waren notwendig?

    Als Grundlage zur Sanierung und städtebaulichen Aufwertung mussten zunächst einige Voruntersuchungen durchgeführt werden. Im Jahr 2021 fanden deshalb Baugrunduntersuchungen und eine Schadenskartierung statt. Diese wurden in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt ausgeführt.

    Die Natursteinflächen der Alten Brücke weisen eine Großzahl von Schädigungen auf. Innerhalb der Schadenskartierung wurden diese schadhaften Bereiche durch ein Fachbüro nach Kategorien bewertet und in Plänen und Ansichten dargestellt. Die vorhandenen Schäden sind für die Tragfähigkeit und Standsicherheit der Alten Brücke noch von untergeordneter Bedeutung.

    Zur Sicherung der Verkehrssicherheit, Gebrauchsfähigkeit und Dauerhaftigkeit des Bauwerks sind jedoch Instandsetzungsmaßnahmen erforderlich. Die Ergebnisse der Voruntersuchungen flossen in die bereits abgeschlossene Vorentwurfsplanung zur Sanierung der Alten Brücke ein. Auf deren Basis soll nun im Wettbewerb der historische Teil der Alten Brücke aufgewertet und ein neuer Brückenteil als Ersatzneubau des „Notsteges“ konzipiert werden.

  • Wie hat die Landeshauptstadt Bürgerinnen und Bürger beteiligt?

    Bürgerinnen und Bürger haben Ideen, Vorstellungen und Anregungen zum Umbau der Alten Brücke am 8. Oktober 2022 im Rahmen eines Workshops zum Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) Alt-Saarbrücken Tallage mit Vertreterinnen und Vertretern der Landeshauptstadt diskutiert. 

    Bereits im letzten Jahr hatten interessierte Bürgerinnen die Möglichkeit, Einblicke in das Projekt „Alte Brücke“ zu erhalten. Im Rahmen der Veranstaltung „Tag des offenen Denkmals“ zum Thema „Schein und Sein“ berichtete der langjährige Denkmalpfleger der Stadt Saarbrücken, Hans Mildenberger, über die bewegte Geschichte der Alten Brücke und machte seine Ausführungen mittels zahlreicher historischer und aktueller Fotografien deutlich.

    Hans Mildenberger ist auch Autor zweier Publikationen zum Thema Alte Brücke, der Chronologie Alte Brücke und dem Schriftstück „Über die Fluten, über die Zeiten“. 

Freiraum und Aufenthaltsqualität

Im Zuge der Neuordnung entsteht eine Ufer-Grünzone, die das Saarufer weiter aufwertet und besser erlebbar macht.

Der geplante Spielplatz wird in die Freifläche zwischen Tbilisser Platz und Leinpfad integriert, leicht in Richtung Staatstheater versetzt. Er wird altersgerecht gestaltet und auf die Bedürfnisse von Kindern ausgerichtet. Die Detailplanung hierzu läuft derzeit.

Baurecht ist lediglich für den Bereich des Spielplatzes erforderlich. Der Baubeginn ist zum Jahreswechsel vorgesehen; die Bauzeit wird voraussichtlich rund drei Jahre betragen. Es ist mit nur geringfügigen Einschränkungen im Straßenverkehr zu rechnen.

Abstimmung und Projektstruktur

Projektbeteiligte sind:

  • Autobahn GmbH
  • Landesdenkmalamt
  • Landeshauptstadt Saarbrücken
  • Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz
  • Finanzministerium des Saarlandes
  • Wasser- und Schifffahrtsamt
  • verschiedene Fördergeber

Mit allen Beteiligten wurden die jeweiligen Projektbestandteile in den vergangenen Jahren sorgfältig abgestimmt. Auch die weiteren Planungsschritte erfolgen in enger Koordination.

Seit dem Wettbewerb wurden die Entwurfsplanungen für die Alte Brücke, den Stahlsteg über die Autobahn sowie die Rampe zum Leinpfad fertiggestellt. Die Entwurfsplanung für die Freiraumgestaltung in den Bereichen Tbilisser Platz, Saarwiesen und Spielplatz befindet sich derzeit in Bearbeitung.

Aufgrund der Projektgröße, der komplexen Förderstruktur sowie der Abstimmungen mit Bundeseinrichtungen erfordert ein Vorhaben dieser Dimension Geduld von allen Beteiligten. Die zeitlichen Abläufe sind angesichts der Struktur, Komplexität und Tragweite des Projekts sachgerecht und nachvollziehbar.

Historische Ansichten

Die Alte Brücke ist die älteste, noch erhaltene Steinbrücke über die Saar und steht unter Denkmalschutz. Die Brücke wurde durch diverse Einflüsse mehrfach baulich verändert.

Dabei wurden wichtige gestalterische Merkmale demontiert (steinerne Brückenbrüstung, heute blaues Metallgeländer) und komplette Brückenteile entfernt (Bau der Stadtautobahn, heute in der Breite verschmälerte Stegkonstruktion) oder sprichwörtlich im Erdboden versenkt (Anschüttung der Brückenpfeiler beim Bau des Saarländischen Staatstheaters mit dem Tbilisser Platz).

Interessante Zusatzinformationen

Lesen Sie unter folgenden Links interessante Zusatzinformationen über die Alte Brücke