Kolumne des Oberbürgermeisters (16.8.2020)

Oberbürgermeister Uwe Conradt berichtet in seiner Kolumne über aktuelle Themen aus der Landeshaupstadt Saarbrücken.

Saarbrücken hält durch und hält zusammen

Oberbürgermeister Uwe Conradt - LHS

Oberbürgermeister Uwe Conradt - LHS

Oberbürgermeister Uwe Conradt - LHS

Liebe Saarbrückerinnen und Saarbrücker,
den Sommer 2020 werden wir in unserer Stadt sicherlich nicht vergessen, es ist ein Durchatmen zu spüren nach vielen anstrengenden Wochen, in denen die Corona-Krise unseren Alltag bestimmt hat.

Die Menschen genießen das Flair unserer schönen Stadt, am weitläufig bestuhlten St. Johanner Markt und auf vielen anderen Plätzen ist die Gastronomie gut besucht, unsere städtischen Bäder sind offen und genauso beliebte Orte der Erholung wie unsere Parks und unsere urigen Wälder. Kinder freuen sich über die wieder offenen Spielplätze, Schausteller haben zudem an manchen Orten Karussells und Verkaufswagen aufgebaut, Zoo, Wildpark und unsere zahlreichen Museen und Galerien sind wieder geöffnet und auch die Bahnhofstraße ist wieder belebt.
Ich möchte Ihnen und allen, die sich bis heute an die Regeln halten, meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen.

Ich bin stolz auf Saarbrücken und alle, die mitmachen. Wir haben gemeinsam gezeigt: Wir können Krise. 
Aber die Krise ist noch nicht vorbei, hat viele Menschen hart getroffen und trifft weiter viele Menschen hart.
Die Nachrichten aus anderen Teilen Deutschlands, Europas und der Welt zeigen uns, dass die Bekämpfung einer Pandemie eine langwierige und anstrengende Langzeitaufgabe ist. Wir haben gemeinsam bereits ein gutes Stück des Wegs über den Berg zurückgelegt, aber leider liegt vor uns noch eine lange Strecke und ich möchte Sie mit diesem Brief, ermutigen den Weg weiter mitzugehen und nicht stehen zu bleiben oder gar umzudrehen.

Was sind unsere Herausforderungen?

1) Halten Sie durch – auch wenn es schwer(er) fällt.

Erst heute hat die Weltgesundheitsorganisation mit 294.237 Neuinfektionen am Tag einen neuen Rekord gemeldet. Dies zeigt: Wir müssen auch bei einer bei uns weiterhin niedrigen Infektionsrate vorsichtig sein; es gilt, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Und ja, die Maske ist und bleibt unser Alltagsbegleiter beim Einkaufen, im Bus und an vielen anderen Orten. Manche Regeln mögen im Einzelfall schwer nachvollziehbar sein, aber es geht beim Infektionsschutz hauptsächlich um die Verhinderung von größeren Hotspots. Die Regeln haben insgesamt gezeigt, dass sie erfolgreich sind und eben deshalb eingehalten werden müssen. Die Stadt Saarbrücken leistet mit Informationskampagnen und auch mit Kontrollen des Ordnungsamts einen wesentlichen Beitrag für die Einhaltung dieser Regeln – aber letztlich wird es nur funktionieren, wenn jeder Verantwortungsbewusstsein zeigt und weiter mitmacht.

2) Lassen Sie sich nicht in übertriebene Ängste hineintreiben.

Auch wenn die sprichwörtliche „German Angst“ in unserem Land bei einem großen Teil der Bevölkerung ganz tief verwurzelt ist: Wir dürfen uns nicht bei jeder potentiellen Gefahr und jedem kleinen Anstieg der Infektionsrate in übertriebene Ängste hineintreiben lassen.

Ein erneuter Lockdown, Ausgangssperren, Grenzschließungen, Maskenpflicht überall,… All dies wären Maßnahmen, die es uns schwer machen würden, unser Land so zu erhalten, wie es vor der Krise war. Die Stadt Saarbrücken hat daher von Anfang an Wert darauf gelegt, offen zu lassen, was offen bleiben durfte. Wir freuen uns über Menschen, die unsere Angebote nutzen, Schwimmbäder, die Stadtbibliothek und unsere Stadtgalerie sind geöffnet und auch kleine Musikveranstaltungen finden wieder statt. Alles in einem verantwortungsvollen Rahmen und unter Einhaltung der gültigen Richtlinien.

3) Der Erhalt der wirtschaftlichen Lebensgrundlagen ist wichtig - auch für den Staat und damit für die Sicherung von Recht und Freiheit.

Rettungsschirme, Hilfspakete und Maßnahmen wie die Kurzarbeit haben viele Unternehmen und Millionen von Arbeitnehmern durch den ersten Abschnitt der coronabedingten Wirtschaftskrise gerettet. Gut so. Aber damit dürfte die Leistungsgrenze staatlicher Hilfen auch weitgehend ausgeschöpft sein. Der Staat kann nur das ausgeben, was zuvor erwirtschaftet worden ist. Schon jetzt ist klar, dass die aufgenommenen Lasten ein Kraftakt sind, der für die kommenden Generationen eine Belastung darstellt. Bei realistischer Betrachtung müssen wir, wo immer es geht, die Wirtschaft zum Laufen bringen, auch damit wir Armut verhindern und die Chancen der jungen Generation auf eine gute Zukunft erhalten, aber auch damit der Staat nicht seine Existenzgrundlage verliert. Freiheit und Recht brauchen einen handlungsfähigen Staat und dieser braucht eine funktionierende Wirtschaft. 

Gute Nachrichten gab es auch in diesen Tagen: Der Erhalt von zwei Warenhäusern von Galeria Karstadt Kaufhof war ebenso ein positives Signal wie der Einstieg des Betreibers der Saarland-Therme in den Pachtvertrag des Erlebnisbades „Calypso“.

4) Die Kultur und das freie gesellschaftliche Leben brauchen unseren Schutz und Einsatz.

Wir sind ein Land mit einem starken freien gesellschaftlichen Leben, mit zahlreichen Vereinen, Veranstaltungen und Kulturschaffenden. Die Grenzen zwischen ehrenamtlich tätigen und hauptberuflichen Akteuren sind manchmal fließend. Aber allen Initiativen und Veranstaltungen ist gemein: Sie sind für unseren gesellschaftliche Zusammenhalt wichtig.
Saarbrücken ist Großstadt und die mit Abstand größte Stadt des Saarlandes und der Region. Diese Rolle wollen wir auch in Zukunft behalten, das bedeutet: Wir wollen unsere Akteure durch die Krise bringen, damit das kulturelle Leben in allen Facetten erhalten bleibt.

Auch hierbei geht es um Arbeitsplätze und damit die Existenzgrundlage von zahlreichen Familien in unserer Stadt. So wie wir einen Fonds für Kulturschaffende auf den Weg gebracht und Schausteller unbürokratisch Stellflächen auf Straßen und Plätzen zur Verfügung gestellt haben, so will ich mich auch dafür einsetzen, dass ab September möglichst viele Veranstaltungen wieder stattfinden können, die in unserer Stadt eine Tradition haben. Hierzu zählen auch traditionelle Veranstaltungen auf dem Burbacher Festplatz oder Weihnachtsmärkte wie der Christkindlmarkt, für den wir ein Alternativkonzept erstellen.

5) Rückkehr in den Regelbetrieb von Schulen und Kitas

Wir brauchen eine gesunde Mischung aus Vorsicht und Gelassenheit. Wir brauchen Gemeinschaftsgeist und den Willen weiterzugehen, dies gilt auch für den Start von Schule und Kitas im Regelbetrieb.

Wie im ganzen Saarland öffnen ab Montag auch die Schulen und Kitas in Saarbrücken im Regelbetrieb. Ich wünsche zunächst allen Kindern einen guten Start ins neue Schuljahr. Besonders wünsche ich den Schulneulingen, den ABC-Schützen, viel Erfolg für den neuen Lebensabschnitt. Sie werden von der Stadtverwaltung auch in diesem Jahr ein Begrüßungsgeschenk erhalten – auch dies ist ein Stück gelebte Normalität in besonderen Zeiten.

Niemand kann wirklich sagen, wie lange das Virus unseren Alltag mitbestimmen wird, daher kommt es bei der Rückkehr zum Regelbetrieb nun darauf an, dass alle Eltern und alle Beschäftigten in Schulen und Kitas besonnen auf die Herausforderung „Regelbetrieb“ reagieren und daran mitwirken, dass die Schutzkonzepte umgesetzt und eingehalten werden. 

Liebe Saarbrückerinnen und Saarbrücker, gemeinsam können und werden wir es schaffen.
Machen Sie weiter mit und zeigen Sie: Saarbrücken hält durch und hält zusammen.

Ihr