Bürgerbrief des Oberbürgermeisters (31. März 2021)

Oberbürgermeister Uwe Conradt berichtet in seinem Bürgerbrief über aktuelle Themen aus der Landeshaupstadt Saarbrücken.

11. Bürgerbrief des Oberbürgermeisters

Oberbürgermeister Uwe Conradt - LHS

Oberbürgermeister Uwe Conradt - LHS

Oberbürgermeister Uwe Conradt - LHS

Wie wir gemeinsam durch die 3. Welle kommen und die Spaltung der Gesellschaft vermeiden

Die 3. Welle, Mutationen, Ausgangssperre, Modellregion, die Entschuldigung der Kanzlerin, die Notbremse - die Emotionen gehen bei diesen Themen hoch. Es ist ein Jahr Corona und – zumindest gefühlt –  kein Ende in Sicht. Für mich ist klar: Vor uns liegt ein Abschnitt, der weiterhin viele Opfer von jedem von uns erfordert. Es gilt nun, die letzten Kraftreserven zu aktivieren.

Pandemiebekämpfung ist dann erfolgreich, wenn möglichst viele Menschen freiwillig mitmachen. Dies tun sie, wenn die Maßnahmen und Regeln nachvollziehbar, verhältnismäßig und verlässlich sind.

Eine in Grundfragen der Pandemiebekämpfung gespaltene Gesellschaft ist mit Blick auf den Gesamterfolg schlecht aufgestellt. Derzeit lehnen rund zwei Drittel der Menschen in unserem Land die aktuellen Maßnahmen ab. Sie tun dies in etwa zu gleichen Teilen aus diametral entgegengesetzten Gründen: den einen gehen die Maßnahmen nicht weit genug, den anderen hingegen viel zu weit.

Mich erfüllt die momentane Situation mit großer Sorge. Wir brauchen den gesellschaftlichen Zusammenhalt für die Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge, aber auch für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung.

Mein Wunsch an unsere Bundesregierung

Mein Wunsch ist es, dass unsere Regierung Ängste und Sorgen der Bevölkerung wahrnimmt, diese nicht verstärkt, sondern versucht, diese verantwortungsvoll einzuordnen. Einschränkungen und Maßnahmen müssen in dieser Phase der Pandemie in ihrer Wirkung erklärt und abgewogen werden. 

Pauschale Formulierungen der Kanzlerin wie „Es ist jetzt nicht die Zeit für Öffnungen“ verengen den Diskussionsraum. Es entsteht das Gefühl, der Staatsbürger werde zum Kleinkind degradiert. Der Spaltung der Gesellschaft wird durch diese Form der Kommunikation Vorschub geleistet. Dies macht mir mit Blick auf die Akzeptanz der Durchsetzung der Regeln –  die auch wir als Kommune über den Kommunalen Ordnungsdienst zu leisten haben –  zunehmend Sorge.  

Die deutsche Regierung muss auch den Zusammenhalt in Europa besser im Blick behalten. Maßnahmen an der Grenze bedürfen mehr Fingerspitzengefühl mit Blick auf das Zusammenleben an der Grenze. Hier sind den grenzüberschreitend zusammenarbeitenden Politikern unserer Region zwar Erfolge geglückt, nämlich, dass die Grenze weiter offen ist und es keine systematischen Kontrollen gibt, aber die Erfolge mussten Berlin abgerungen werden. Durch die drei Mal pro Woche erforderlichen Testungen wissen wir nun, dass von Grenzpendlern keine erhöhte Gefahr ausgeht. Sie werden bei unseren direkten Nachbarn aber auch als Gängelung und Stigmatisierung empfunden, deshalb spreche ich mich für eine Reduzierung aus.

Von der Testregion zur Modellregion

Wir haben im Saarland eine sehr große Zahl an stationären Testmöglichkeiten aufgebaut. Allein in Saarbrücken bereits über 80 – ein Testzentrum übrigens auch in unserem Rathaus. Meine Bitte: Übernehmen Sie Verantwortung und machen Sie von den kostenlosen Bürgertestungen regelmäßig Gebrauch.

Ich begrüße, dass unser Ministerpräsident Tobias Hans angesichts einer im Vergleich zu anderen Bundesländern niedrigen Inzidenz und hohen Impfrate das Saarland zur Modellregion entwickeln will. Ich verstehe seine Ankündigung als eine Politik der kontrollierten Schritte. Diese brauchen sowohl wissenschaftliche Begleitung, als auch gesellschaftliche Diskussion – beides bringt uns weiter.

Ich würde gerne diskutieren, welche Faktoren für eine Notbremse wirklich sinnvoll sind. Der reine Inzidenzwert ist es ganz sicher immer weniger, je mehr Menschen aus den vulnerablen Gruppen geimpft sind.

Warum diskutieren wir nicht, welche Anreize zum Testen verantwortbar sind, damit die nun vorhandene Testkapazität auch ausgenutzt wird? Wir haben dann die Chance, Infektionen zu erkennen, die ansonsten unentdeckt bleiben würden. Das könnte dem Durchbrechen von Infektionsketten dienen. In diesem Sinn verstehe ich auch die avisierte Öffnung von Museen bzw. des Außenbereichs der Gastronomie oder von Sportstätten. 

Durchhalten in der Krise

Das Virus macht Angst und verbreitet Sorgen und Stress. Hinzu kommen die erheblichen Veränderungen in unserem täglichen Leben, da unser Bewegungsspielraum eingeschränkt ist, um die Ausbreitung des Virus zu erschweren.

Die Arbeitswelt hat sich durch Homeoffice, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit für viele verändert. Eltern wissen, was monatelanges Homeschooling und eine eingeschränkte Betreuungssituation bedeuten. Der mangelnde physische Kontakt mit Familie und Freunden führt auf Dauer zu einer zusätzlichen Belastung.

Angesichts der Bedrohung durch Mutationen müssen weiter restriktive Maßnahmen ergriffen werden, zudem erzeugt die andauernde Diskussion um die Wirksamkeit, Verfügbarkeit und mögliche Nebenwirkungen der Impfstoffe permanent Unsicherheit.

Dies führt zu Zermürbung, Verwirrung, Corona-Müdigkeit und Spannungen, das merkt man auch auf unseren Straßen, in der Familie, im Beruf, im Alltag.

Schlechte psychische Gesundheit ist somit zu einer Parallelpandemie geworden.

Wichtig ist: Machen Sie sich bewusst, dass wir in einer langandauernden Krise sind und dies auch etwas mit Ihnen macht

ABER:

Der Weg wird nicht kürzer oder leichter, wenn wir nur negativ sind. Im Gegenteil: Er fällt uns allen viel schwerer und er wird länger. Jeder von uns ist betroffen, wir sind als Gruppe unterwegs. Also sollten wir auf uns achten und anderen helfen, dann kommen wir gemeinsam besser und schneller durch die Krise.  Unsere gemeinsame Initiative: Auf geht´s Saarbrücken

Wir starten nach Ostern eine neue Initiative in Saarbrücken. Wir wollen mit der Initiative einen Beitrag zur Stärkung der mentalen Gesundheit leisten und den Menschen auch Perspektive geben. Auch wenn es erst in ein paar Tagen losgeht, soviel vorweg: Sie können von der Initiative profitieren und Sie können auch mitmachen.

Ein Baustein soll dabei die Woche des Glücks werden von Donnerstag, 8. April, bis Mittwoch, 14. April.  Die Initiatoren wollen mit ihrer Aktion erreichen, dass Menschen zum Thema Glück gemeinsam nachdenken, performen, reden, tanzen, lachen und philosophieren. Die Schirmherrschaft habe ich gerne übernommen.

Wollen auch Sie sich einbringen oder sich informieren? Dann besuchen Sie die Seite www.saarbruecken.de/glueck. Dort können Interessierte auch Beiträge für die Glückswoche anmelden.

Wo wir stehen und wie es weitergeht

Ich habe Ihnen schon einige Male in meinen Bürgerbriefen das Bild mitgegeben, dass wir gemeinsam über die Berge müssen, sonst geht der Weg nicht weiter. Die Pandemiebekämpfung ist Teamarbeit und wir kommen nur weiter, wenn möglichst viele mitmachen. Wir haben mit den letzten beiden Wellen schon zwei extrem schwere Berge bezwungen. Ich bin dankbar für all die Opfer, die Sie schon erbracht haben. Der Weg war lang, hart und leider steht der nächste Berg, die 3. Welle, schon vor der Tür.

Umso wichtiger ist es, dass wir auf uns selbst – und auf andere, die Hilfe brauchen, achten.

Liebe Saarbrückerinnen und Saarbrücker,

ich wünsche Ihnen und Ihren Familien schon jetzt ein frohes Osterwochenende.

Bleiben Sie positiv eingestellt, bleiben Sie in Verbindung, bleiben Sie gesund.

Danke.

Ihr