Donnerstag, 2. April 2026

Stadt weiht Stele zum Gedenken an Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ein

Die Landeshauptstadt Saarbrücken hat am heutigen Donnerstag, 2. April, auf dem ehemaligen Messegelände eine Gedenkstele eingeweiht. Sie erinnert an die Menschen, die zwischen 1940 und 1944 in den fünf Zwangsarbeiterlagern am Schanzenberg untergebracht waren.

Enthüllung einer Gedenkstele für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter am Schwanzenberg - LHS

Enthüllung einer Gedenkstele für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter am Schwanzenberg - LHS

Enthüllung einer Gedenkstele für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter am Schwanzenberg - LHS

„Die neue Gedenkstele ist ein wichtiges Zeichen unserer Erinnerungskultur." Oberbürgermeister Uwe Conradt

Oberbürgermeister Uwe Conradt: „Die neue Gedenkstele ist ein wichtiges Zeichen unserer Erinnerungskultur. Sie erinnert uns daran, dass das Leid der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Teil der Geschichte unserer Stadt ist. Es liegt in unserer Verantwortung, dieses Unrecht nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Gerade im öffentlichen Raum schafft die Stele Sichtbarkeit und Bewusstsein, wie wichtig ein respektvolles Miteinander, gelebte Solidarität und die Wahrung unserer demokratischen Werte sind.“

Ein Zeichen gegen das Vergessen – Initiative aus der Stadtgesellschaft

Die Stele wurde in unmittelbarer Nähe zum Eingang eines geplanten, jedoch nicht fertiggestellten Luftschutzbunkers errichtet. Sie soll an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft erinnern und zugleich die Verbrechen dieser Zeit dauerhaft im öffentlichen Bewusstsein halten.

Bereits in der Vergangenheit informierte ein Hinweisschild von Landeshauptstadt und Saarmesse am Bunkereingang über die Geschichte des Ortes. Im Zuge von Hangsicherungsmaßnahmen musste dieses jedoch entfernt werden.

Im November 2023 regte der Saarbrücker Autor Florian Brunner an, den Erinnerungsort wieder sichtbar zu machen. In Abstimmung mit der Investorenfamilie der Reichenberger Gruppe entschied die Stadt daraufhin, eine Gedenkstele zu errichten.

Die 90 Zentimeter breite Stele besteht aus einer zwei Meter hohen Sicherheitsglasscheibe in einer Halterung aus Edelstahl. Auf einer Textfolie gibt es Informationen zu den ehemaligen Zwangsarbeiterlagern sowie zu Einsatz und Unterbringung der Arbeiterinnen und Arbeiter.

Hintergrund zum Standort

Auf dem Areal am Schanzenberg befanden sich fünf von insgesamt 50 Zwangsarbeiterlagern im damaligen Saarbrücker Stadtgebiet. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges waren dort zwischen 1100 und 1500 Menschen untergebracht, darunter Personen aller Altersgruppen und jeden Geschlechts. Mehr als die Hälfte von ihnen stammte aus der Sowjetunion.

Die Lager wurden bewusst am Schanzenberg errichtet, um Kontakte zur Bevölkerung zu minimieren und gleichzeitig kurze Wege zu den Arbeitsorten zu gewährleisten. Die Unterbringung erfolgte in einfachen Holzbaracken. Sanitäre Anlagen und Verpflegung waren unzureichend. Zugang zum Luftschutzbunker am Schanzenberg hatten die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter nicht.

Ergänzung der weiteren Gedenkorte in Saarbrücken

Mit der neuen Stele ergänzt die Landeshauptstadt weitere bestehende Erinnerungsorte in Saarbrücken, darunter unter anderem das „Band der Erinnerung“ vor der Synagoge, die Skulpturengruppe „Der unterbrochene Wald“ am Rabbiner-Rülf-Platz, die Gedenkstätte für Widerstandskämpfer Willi Graf auf dem Friedhof St. Johann sowie die Stolpersteine, die in allen vier Stadtbezirken zu finden sind.

Weitere Informationen zur Erinnerungskultur in Saarbrücken gibt es unter erinnern.saarbruecken.de.