
Neujahrsempfang der Landeshauptstadt 2026 - LHS
Oberbürgermeister Uwe Conradt hat beim Neujahrsempfang der Landeshauptstadt Saarbrücken am Freitag, 9. Januar, im E-Werk auf den Saarterrassen für einen realistischen und zugleich zuversichtlichen Blick auf die Zukunft geworben.
Neujahrsempfang der Landeshauptstadt 2026 - LHS
Neujahrsempfang der Landeshauptstadt 2026 - LHS
Neujahrsempfang der Landeshauptstadt 2026 - LHS
Vor rund 1.700 Besucherinnen und Besuchern aus der Saarbrücker Stadtgesellschaft – darunter zahlreiche Ehrenamtliche, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Verwaltung sowie Gäste aus den französischen Nachbarkommunen – betonte Conradt die Bedeutung eines starken Europas, einer stabilen Demokratie und handlungsfähiger Kommunen als Fundament für Sicherheit, Wohlstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das musikalische Rahmenprogramm des Abends wurde von der Hochschule für Musik Saar gestaltet.
Der Neujahrsempfang stand in diesem Jahr unter dem Motto „Gemeinsam für Europa und die Demokratie“. Conradt verband in seiner Rede einen Rückblick auf das Jahr 2025 mit einem Ausblick auf zentrale Projekte und politische Schwerpunkte für 2026. Zugleich dankte er den vielen Menschen, die sich für Saarbrücken engagieren – insbesondere den Einsatzkräften, den Ehrenamtlichen in Vereinen und Hilfsorganisationen sowie den Mitarbeitenden in Verwaltung und städtischen Gesellschaften. Er dankte außerdem dem Saarland sowie allen Institutionen und Organisationen, mit denen die Landeshauptstadt eng und vertrauensvoll zusammenarbeitet.
Der Oberbürgermeister machte deutlich, dass der Einsatz für Europa und die Demokratie auch eine ehrliche Analyse erfordert. „Deutschland war in manchen Fragen zu lange naiv“, sagte Conradt. Naiv im Umgang mit Russland: Nord Stream sei nie nur ein Wirtschaftsprojekt gewesen, sondern immer auch Politik. Naiv auch in Sicherheitsfragen: „Die Aussetzung der Wehrpflicht und das Herunterfahren von Zivil- und Bevölkerungsschutz auf ein Minimum waren rückblickend krasse strategische Fehler.“
Ebenso sei es naiv gewesen zu glauben, globale Mächte spielten nach europäischen Regeln: „Die USA handeln seit Jahren nach dem Prinzip ‚America first‘, China nutzt wirtschaftliche Instrumente als Teil geopolitischer Strategie.“ Hinzu komme die zunehmende digitale Einflussnahme: „Soziale Medien werden gezielt eingesetzt, um Gesellschaften zu beeinflussen, Fehlinformationen zu streuen und Demokratien zu destabilisieren.“ Diese Entwicklungen hätten Auswirkungen nicht nur auf Staat und Gesellschaft, sondern auch auf Städte und Gemeinden – insbesondere mit Blick auf Sicherheit, Zusammenhalt und Infrastruktur.
Saarbrücken ist Kernraum Europas. Oberbürgermeister Uwe Conradt
Der Oberbürgermeister stellte die europäische Rolle der Landeshauptstadt heraus. „Saarbrücken ist nicht Randlage. Saarbrücken ist Kernraum Europas“, sagte Conradt. Die Landeshauptstadt liege im Zentrum einer deutsch-französischen Metropolregion mit rund 1,5 Millionen Menschen im Einzugsgebiet.
Ziel sei es, den bestehenden Ballungsraum unter der Marke „Eurometropole Saarbrücken“ weiter zu profilieren und mit dem Zusatz „die deutsch-französische Hauptstadt“ auf die zahlreichen deutsch-französischen Institutionen, Initiativen und den gelebten Alltag aufmerksam zu machen. „Uns gemeinsam sichtbarer zu machen, ist Standortpolitik für alle.“ Diese Sichtbarkeit werde auch durch die neue Mitgliedschaft im weltweiten Netzwerk der frankophonen Städte (AIMF) verstärkt.
Der Tag der Deutschen Einheit 2025 – mit dem Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Saarbrücken – sei ein „Leuchtturm-Moment“ gewesen, der gezeigt habe, welche Sichtbarkeit das Saarland und Saarbrücken gewinnen können, wenn die Stadt ihr Profil konsequent ausbaut.
Mit Blick auf die Grenzregion sprach sich Conradt erneut für mobile und flexible Kontrollen statt dauerhafter stationärer Grenzkontrollen aus. Sicherheit müsse wirksam und verhältnismäßig organisiert werden, dazu gehöre auch der Einsatz moderner Technik. „Offene Binnengrenzen sind ein sichtbares Zeichen Europas. Wir brauchen eine angepasste Sicherheitsstrategie, ohne Pendlerinnen und Pendler sowie Wirtschaft unnötig zu belasten. Gleichzeitig sollten die Ressourcen der Bundespolizei optimal eingesetzt werden“, sagte Conradt.
Der Oberbürgermeister kündigte an, sich für eine Erneuerung des Saarbrücker Abkommens zwischen Deutschland und Frankreich einzusetzen, um auf aktuelle globale Entwicklungen zu reagieren und einen Impuls für ein souveräneres Europa zu geben.
Bund und Länder dürfen sich nicht länger auf Kosten der Kommunen einigen. Oberbürgermeister Uwe Conradt
Ein zentraler Schwerpunkt der Rede war die Lage der Kommunalfinanzen. Conradt, der auch Vizepräsident des Deutschen Städtetags ist, verwies auf den Zusammenhang zwischen der finanziellen Situation der Städte und der Stabilität demokratischer Systeme.
„Stabile Kommunalfinanzen sind Demokratieschutz“, sagte der OB. Wenn Menschen erlebten, dass Kitas fehlen, Schulen nicht saniert werden, Busse ausfallen und Infrastruktur verfällt, entstehe der Eindruck, der Staat könne die Probleme nicht mehr lösen. „Und genau dieses Gefühl ist der Nährboden für Populismus“, so Conradt.
Der Oberbürgermeister forderte Bund und Länder auf, Kommunen endlich aufgabengerecht auszustatten: „Wer bestellt, muss bezahlen. Wer bestellt hat, ohne zu bezahlen, muss nachbezahlen. Bund und Länder dürfen sich nicht länger auf Kosten der Kommunen einigen.“ Zudem müsse die Altschuldenfrage gelöst werden, um Investitionsfähigkeit und Zukunftssicherheit vieler Städte zu gewährleisten.
Mit Blick auf die Diskussion um ein Sondervermögen und ergänzende Investitionsprogramme betonte Conradt, dass zusätzliche Mittel gezielt dort wirken müssten, wo sie die größte Hebelwirkung für Versorgungssicherheit, Standortqualität und gesellschaftlichen Zusammenhalt entfalten.
„Wenn der Staat jetzt zusätzliche Investitionsmittel mobilisiert, dann müssen sie dort ankommen, wo sie die Menschen erreichen – bei Gesundheit, Bildung, Sicherheit, Infrastruktur und Daseinsvorsorge. Genau das entscheidet darüber, ob Demokratie im Alltag funktioniert“, sagte Conradt.
Der Oberbürgermeister forderte ergänzende und verbindliche Zusagen des Landes für zentrale Zukunftsvorhaben, die Saarbrücken in seiner Rolle als Oberzentrum stärken sollen. Dazu zählen insbesondere:
„Saarbrücken übernimmt in vielen Bereichen Aufgaben für die gesamte Region. Gleichzeitig hat Saarbrücken das Potenzial, noch stärker Motor für die wirtschaftliche Entwicklung zu sein. Diese Chance gilt es zu nutzen“, sagte der Oberbürgermeister.
Das Ergebnis von Stadtmarketing, von Investitionen in Veranstaltungen und in die Innenstadt, die wir Schritt für Schritt aufwerten. Oberbürgermeister Uwe Conradt
Nach Aussagen von Conradt war das Jahr 2025 erneut ein Rekordjahr im Bereich Tourismus. „Saarbrücken ist attraktiv – und das lässt sich messen: Allein von Januar bis September 2025 hatten wir 568.916 Übernachtungen und damit ein Plus von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Stadtmarketing, von Investitionen in Veranstaltungen und in die Innenstadt, die wir Schritt für Schritt aufwerten. Und es ist das Ergebnis von vielen privaten Investitionen: neue Läden, neue Gastronomie, mehr Leben in unseren Quartieren“, so Conradt. „Um diesen positiven Trend zu verstetigen, wollen wir im Jahr 2026 eine Innenstadtstrategie auf den Weg bringen.“
Der Oberbürgermeister zog eine positive Bilanz des Jahres 2025. Mit dem Spatenstich zum neuen Congresshallen-Erweiterungsbau (MKK) sei das städtebauliche Modellvorhaben „CongressCultureCity“ mit dem Titel „Superbrücken“ in eine entscheidende Phase getreten.
Beim Thema Mobilität betonte Conradt, dass eine Stadt für alle auch Mobilität für alle ermöglichen müsse – ob mit Auto, ÖPNV, Fahrrad oder zu Fuß. Saarbrücken habe 2025 zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um Verkehrsfluss, Sicherheit und Aufenthaltsqualität zu verbessern. Mit dem Bau des Kreisels unter der Westspange sowie dem Umbau der St. Johanner Straße sei der Verkehrsfluss vom Hauptbahnhof und in die City deutlich verbessert worden.
Auch die Radinfrastruktur sei weiterentwickelt worden – unter anderem in der Metzer Straße und durch den Abschluss des zweiten Bauabschnitts der Fahrradstraße Hohenzollernstraße. Ein Schwerpunkt sei zudem die Modernisierung des ÖPNV: Die Saarbahn habe nach einer Testphase 28 neue Wasserstoffbusse schrittweise in den Linienbetrieb genommen. „Wasserstoff ist ein konkreter Baustein für klimafreundliche Mobilität und moderne Daseinsvorsorge“, sagte Conradt. Zudem seien die ersten neuen Saarbahn-Triebwagen geliefert worden. Sobald die Betriebsgenehmigung vorliege, sollen sie in diesem Jahr im regulären Betrieb eingesetzt werden, um die Zuverlässigkeit weiter zu erhöhen.
Als moderne Verwaltung werde Saarbrücken zudem immer digitaler. Über die Online-Dienste der Landeshauptstadt könnten viele Verwaltungsangelegenheiten digital erledigt werden. Smarte Projekte wie die neue Beleuchtung am Leinpfad im Bereich des Stadens, der smarte Zebrastreifen auf dem Eschberg oder das virtuelle Bürgeramt seien Beispiele dafür, wie Technik praktisch unterstützen kann.
Mit „Meldoo“ wurde 2025 ein digitales Anliegenmanagement eingeführt. Hinweise zu Verschmutzung, defekter Beleuchtung oder wildem Müll können per Smartphone gemeldet werden – transparent und nachvollziehbar. Gleichzeitig investiere die Stadt weiter in sozialen Zusammenhalt, Gemeinwesenarbeit sowie Hilfen für Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind oder sich in Notlagen befinden.
Großveranstaltungen wie das Saarspektakel, das Altstadtfest oder der Weihnachtsgarten im Deutsch-Französischen Garten hätten die Stadt belebt und Menschen zusammengebracht. Im Jahr 2026 geht es mit spannenden Events weiter: Saarbrücken freue sich, Gastgeberstadt der Special Olympics zu sein.
Conradt betonte, dass Integration eine Schlüsselaufgabe für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Zukunftsfähigkeit der Stadt sei. Ein wichtiges Projekt sei dabei das Haus des Ankommens, das als zentrale Anlaufstelle Orientierung und Unterstützung für Neuzugewanderte, insbesondere auch Fachkräfte aus dem Ausland, bietet und ab Mai in städtischer Trägerschaft fortgeführt werden soll. Gleichzeitig verwies der OB auf die Bildungswerkstatt Kirchberg in Malstatt, die bei Bildung, Integration und Teilhabe neue Maßstäbe setze.
Mit Blick auf die Sicherheit dankte der Oberbürgermeister den Einsatzkräften der Polizei, Ortspolizei, Feuerwehr und Hilfsorganisationen.
Conradt erinnerte auch daran, dass 2025 bei vielen Einsätzen Außergewöhnliches geleistet wurde – etwa beim Brand an den SHG-Kliniken Sonnenberg, der parallel zum Tag der Deutschen Einheit passierte, sowie beim Stromausfall nach einem Brand im Umspannwerk in der Werderstraße, bei dem 20.000 Haushalte zwischenzeitlich ohne Strom waren, nach wenigen Stunden durch die Stadtwerke aber wieder versorgt werden konnten.
Angesichts zunehmender Extremwetter betonte Conradt die Bedeutung von Resilienz und verwies auf das 2025 verabschiedete Klimaanpassungskonzept. Zudem hob er Sauberkeit als Gemeinschaftsaufgabe hervor, dankte den städtischen Teams und engagierten Bürgerinnen und Bürgern und kündigte für 2026 zusätzliche Sauberkeitsaktionen sowie ein konsequenteres Vorgehen gegen wilde Müllablagerungen an – unter anderem durch Videoüberwachung an ausgewählten Containerstandorten.
Conradt unterstrich die Bedeutung der Rückgewinnung kommunaler Handlungsfähigkeit am Beispiel des Themas Parken. Mit der vorzeitigen Vertragsbeendigung mit Q-Park seien seit November 2025 – mit Ausnahme des Beethovenplatzes – die verpachteten Parkhäuser und Parkplätze wieder in Verantwortung der städtischen KBS.
„Das ist ein konkretes Beispiel dafür, dass wir wieder mehr selbst steuern können und damit auch schneller und bürgernäher handeln“, sagte Conradt.
Transformation gelingt nur, wenn sie Innovation ermöglicht und Planungssicherheit schafft. Oberbürgermeister Uwe Conradt
Conradt betonte, dass ein leistungsfähiger Staat auf einer starken wirtschaftlichen Basis beruhe. Deutschland sei ein Industrieland. Wertschöpfung, Arbeitsplätze und soziale Stabilität hingen maßgeblich an einer wettbewerbsfähigen Industrie.
Der Oberbürgermeister verwies auf seine gemeinsame Initiative mit anderen Bürgermeistern aus Automobil- und Zulieferstandorten, die sich an Berlin und Brüssel richtet. Ziel sei es, einen international wettbewerbsfähigen Industrie- und Automobilstandort zu sichern und Regulierung stärker an Marktrealitäten, Innovationsfähigkeit und Technologieoffenheit auszurichten.
„Transformation gelingt nur, wenn sie Innovation ermöglicht und Planungssicherheit schafft. Wir brauchen Wettbewerbsfähigkeit und Technologieoffenheit statt zusätzlicher Hürden“, sagte Conradt.
Auch in der Innenstadt gebe es positive Impulse: neue Geschäfte, neue Gastronomiebetriebe und Investitionen in Immobilien stärkten die Lebendigkeit und trügen dazu bei, Leerstände schrittweise zu reduzieren. „Eine attraktive Innenstadt ist nicht nur Lebensqualität, sie ist wirtschaftlicher Motor, Treffpunkt und Visitenkarte einer Stadt“, so Conradt.
Darüber hinaus nannte der Oberbürgermeister die Weiterentwicklung von Gewerbeflächen als zentralen Baustein einer aktiven Standortpolitik. Saarbrücken arbeite daran, Unternehmen Wachstums- und Ansiedlungsperspektiven zu bieten – unter anderem durch die Entwicklung von Gewerbegebieten wie dem Schanzenberg oder Westlich Metzer Straße. Ziel sei es, neue Wertschöpfung zu ermöglichen, Arbeitsplätze zu sichern und die wirtschaftliche Basis der Stadt weiter zu stärken.
Ich bin zuversichtlich, dass mit unserer aktiven Stadtgesellschaft 2026 auch ein gutes Jahr für Saarbrücken wird. Oberbürgermeister Uwe Conradt
Der Oberbürgermeister betonte, dass 2026 ein Jahr werde, in dem es darum gehe, die Handlungsfähigkeit zu stärken und die Umsetzung der bestehenden und geplanten Projekte voranzutreiben. Saarbrücken solle erreichbar, lebenswert und zukunftsfähig bleiben – als Zentrum der Eurometropole und als starke Stadt für alle.
„Saarbrücken ist eine Stadt, die auch in Krisenzeiten nicht jammert, sondern handelt. Eine Stadt, die für ihre Interessen und die der Region eintritt. Eine Stadt, die Brücken baut zwischen Menschen, Generationen und Ländern. Und eine Stadt, die Europa und Demokratie nicht predigt, sondern lebt. Ich bin zuversichtlich, dass mit unserer aktiven Stadtgesellschaft 2026 auch ein gutes Jahr für Saarbrücken wird“, sagte OB Conradt abschließend.
Pressefotos stehen für redaktionelle Zwecke unter Angabe der Quelle „Landeshauptstadt Saarbrücken“ kostenfrei zur Verfügung.