Bürgerhospital am Reppersberg - Vom Hospital zum Altenwohnstift

Am 6. Januar fand die feierliche Einweihung von vier Informationstafeln zur Geschichte des Saarbrücker Bürgerhospitals im Saabrücker Wohnstift Reppersberg statt. Sie sind das Ergebnis eines gemeinsamen Projekts des Stadtarchivs und des Wohnstifts Reppersberg.

Jürgen Schumacher, Vorstand der Stiftung Saarbrücker Altenwohnstift, erklärte, dass die persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen vieler Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Bürgerhospital eine zentrale Inspiration für das Projekt gewesen seien. Ziel sei es gewesen, ein würdiges Andenken an diese Zeit zu schaffen.

Kulturdezernentin Dr. Sabine Dengel betonte die große Bedeutung des Ortes für die medizinische Versorgung der Saarbrücker Bevölkerung – zunächst als Bürgerhospital, später als Seniorenstift.

„Wie ein barockes Schloss über Saarbrücken“ – Anfänge des Bürgerhospitals

Nicht nur wurde der historische Hintergrund für die Ausstellung vom Stadtarchiv erarbeitet, auch etwas anderes verbindet das Stadtarchiv mit dem Bürgerhospital.

Der 1870 fertiggestellte Vorgängerbau in der Deutschherrnstraße, welcher heutzutage das Archiv beherbergt, war ursprünglich das alte Hospital in Saarbrücken. Aber um die Jahrhundertwende musste die Hospitalstiftung erkennen, dass dieses Krankenhaus aufgrund des starken Bevölkerungswachstums den Anforderungen nicht mehr gerecht wurde.

Ein neues Krankenhaus sollte auf dem Reppersberg entstehen. Das entsprechende Gelände erwarb die Stiftung für 48.000 Mark. Der Neubau wurde mit 630.000 Mark veranschlagt, aber die Finanzierung konnte die Stiftung nicht alleine stemmen. Der Landkreis war gefordert und auch Spendengelder flossen mit ein.

Die Wahl des Bauplatzes fiel auf das zu dieser Zeit noch unbebaute etwa 22.000 Quadratmeter große Areal zwischen der Gaststätte „Löwenburg“ und den Kornschen Gärten zur Feldmannstraße hin. Später sollte dieses von der Saarbrücker Zeitung gelobt werden: „Der Bauplatz fällt nach Norden, Osten und Süden ab und ist allen Luftströmungen zugänglich liegt aber in Folge seiner Höhe außerhalb des Rußes und Dunstes der Stadt.“

Unter dem Motto „Luft und Licht“ wurde im Jahr 1903 dann begonnen, hier nach den Entwürfen des Architekten Hans Weszkalnys ein neues modernes Krankenhaus zu errichten. Bevor der auf Krankenhäuser spezialisierte Architekt Hans Weszkalnys mit seinen beiden Entwürfen „Lindre Leiden“ und „Luft und Licht“ jeweils Platz eins und zwei des 1902 ausgeschriebenen Architektenwettbewerbs belegte, konnte er bereits auf einige Erfahrung im Bau von Krankenhäusern zurückgreifen. So hatte er unter anderem die Krankenhäuser für die Burbacher Hütte, die Völklinger Hütte und die Halberger Hütte geplant und errichtet.

Somit konnte bereits im September 1905, nach nur zwei Jahren Bauzeit, das neue Bürgerhospital mit einer Kapazität von 224 Betten feierlich in Betrieb gehen. Auf dem Gelände des Nussbergs war eine zusammenhängende Anlage mit unterschiedlichen Gebäudetypen, Garten- und Wegeanlagen entstanden.

Die Zeit stand nicht still und so erfuhr das Bürgerhospital im Laufe der Jahre stetig Erweiterungen für neue medizinische Abteilungen. Dabei vereinte es die beiden für die Zeit üblichen Prinzipien der Krankenhausbauweise miteinander: die Pavillonbauweise und die Blockbauweise. Das Hauptgebäude folgte dem Prinzip der Blockbauweise und wurde mit separaten Pavillon-Gebäuden kombiniert, beispielsweise dem Isolierpavillon für Patienten mit ansteckenden Krankheiten.  

Bürgerhospital zur Zeit des Nationalsozialismus

Ein dunkles Kapitel des Krankenhaues wurde indes in der Zeit des Nationalsozialismus aufgeschlagen. So wurde beispielsweise der ärztliche Direktor Dr. Oscar Groß aufgrund seiner jüdischen Herkunft entlassen und durch den parteitreuen Dr. Hans Dietlen ersetzt. Unter seiner Leitung fanden zahlreiche Zwangssterilisationen statt.

Auch die Bombardierungen auf Saarbrücken gingen nicht spurlos an dem Hospital vorüber. Das Bürgerhospital hatte unterirdisch ein vollständiges Ausweichlazarett mit Operationsräumen, Krankenzimmern und Laboratorien erhalten, so dass hier nach schweren Bombenangriffen Verletzte behandelt werden konnten. Während der Luftangriffe im November 1944 wurden große Teile der Anlage zerstört.

„In modernster Zweckmäßigkeit“ – Wiederaufbau und Endphase

Obwohl Bombenschäden, Plünderungen und Versorgungsengpässe in den ersten Nachkriegsjahren eine Wiederaufnahme des Krankenhausbetriebes erschwerten, konnte bereits 1946 eine Kapazität von 386 Betten erreicht werden.

Nach der Beseitigung der Kriegsschäden startete das Bürgerhospital ab 1950 in eine Phase der Modernisierung. Zu dieser zählten der Neubau der Kinderklinik 1950 und die Errichtung einer hochmodernen kieferchirurgischen Abteilung 1956. Ende der 1950er Jahre verfügte das Krankenhaus über 601 Betten, beschäftigte 39 Ärzte sowie 496 Krankenschwestern und Pfleger.

Viele Saarbrücker und Saarbrückerinnen erblickten hier das Licht der Welt: „Kinderklinik auf dem Reppersberg, schöner denn je“, so betitelte die Saarbrücker Zeitung den 1950 eröffneten Neubau der durch die Bombenangriffe zerstörten Kinderabteilung. Viele Saarländerinnen und Saarländer erlebten diese, wie die Saarbrücker Zeitung schrieb, in „strahlender Sauberkeit“ und „modernster Zweckmäßigkeit“.

Doch die Nachkriegszeit sollte auch die letzte Phase des alten Gebäudes einleiten. Das Hospital konnte den modernen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden. So beschloss die Stadt Saarbrücken den Bau eines neuen Krankenhauses auf dem Winterberg und am 27. Mai 1968 schloss das Bürgerhospital nach über 60 Jahren für immer seine Pforten.

„Bürgerhospital unter der Spitzhacke“ – Abriss und Höhenwohnpark

„Ein Stück Saarbrücken geht verloren“, so empfanden es zahlreiche Saarbrücker. Obwohl man zunächst nach Möglichkeiten gesucht hatte, die alten Gebäude des Bürgerhospitals zu erhalten, sorgten die hohen Umbaukosten und der jährliche Unterhalt in Höhe von 200.000 DM dafür, dass sich kein geeigneter Verwendungszweck finden ließ.

Aus diesem Grund beschloss der Stadtrat im November 1968 den Abriss der Anlage, mit welchem im April 1970 begonnen wurde. Damit eröffnete sich aber die Frage nach der weiteren Nutzung des Geländes. Im Laufe der Jahre wurden zwei Projekte ins Auge gefasst und wieder verworfen.

So wurde das Gelände des ehemaligen Bürgerhospitals unter der Bezeichnung „Höhenwohnpark“ zum Verkauf angeboten. Man erhoffte sich zunächst eine differenzierte Bebauung mit Hotel, Wohngebäuden und Grünflächen. Dagegen regte sich heftiger Widerstand der Anwohnerinnen und Anwohner. Diese hatten Bedenken, dass es zu einer zu dichten und zu hohen Bebauung kommen würde.

„Hier rollt die Kugel nicht“ – Altenwohnstift statt Casino

Nach dieser Absage sollte auf dem Areal ein Spiel-Casino entstehen. Im März 1977 gewann der Saarbrücker Architekt Bernhard Focht mit diesem Entwurf den von der Spielbank GmbH ausgeschriebenen Architektenwettbewerb. Noch im Dezember 1977 wurde die Baugenehmigung erteilt.

Doch die Bürgerinitiative Reppersberg unter ihrem Vorsitzenden Edgar Schorr erhob gegen die Errichtung der Spielbank Einspruch. Sie argumentierte, dass durch das Casino eine nicht zu vertretende Verkehrs- und Lärmbelastung für die Anwohnerinnen und Anwohner entstehen würde. Auch vor einer möglichen Steigerung der Kriminalität warnte die Initiative. Vor dem Verwaltungsgericht in Saarlouis konnte im April 1978 die Aufhebung der Baugenehmigung erreicht werden. Die Spielbank sollte übergangsweise in die Saarlandhalle ziehen, bis sie 1998 im Deutsch-Französischen-Garten ihr Domizil bezog.

Im Jahr 1983 fiel der Entschluss, dass auf dem Gelände ein Altenwohnstift und einige Einfamilienhäuser entstehen sollten. Das Gelände wurde an den Verein Saarbrücker Altenwohnstift e.V. verkauft, der 1988 das Wohnstift Reppersberg verwirklichte, wo man jetzt erneut die Geschichte des Bürgerhospitals erfahren kann. (NK)