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Partnerstadt Tbilissi (Georgien)

Seit dem 22. März 1975 besteht eine Partnerschaft zwischen der Landeshauptstadt Saarbrücken und der georgischen Hauptstadt Tbilissi.

40 Jahre Freundschaft mit Georgiens Hauptstadt

Stadtansicht von Tbilissi

Mit rund 1.100.000 Einwohnern (01.01.2009) ist Tbilissi die Hauptstadt von Georgien, dem Kaukasus-Staat an der Grenze zur Türkei am schwarzen Meer. Als Stadt mit Jahrtausende alter Geschichte und reichen kulturellen Traditionen ist Tbilissi heute sowohl Universitäts- als auch Industriezentrum von Georgien. Die Partnerschaft, die zunächst aus kulturellen Kontakten hervorgegangen war, erstreckte sich in den folgenden Jahren vorwiegend auf Schüler- und Jugendkontakte. Nach der Unabhängigkeit Georgiens liegt der Schwerpunkt der Partnerschaft auf der Unterstützung im Aufbau neuer Strukturen, Wissenstransfer und Kooperationsförderung.

Tbilissi bekommt Behördenrufnummer nach Saarbrücker Vorbild

Mitarbeiter der Saarbrücker Stadtverwaltung erarbeiten zurzeit gemeinsam mit ihren Kollegen ein Konzept zur Einführung einer Service-Behördenrufnummer nach Saarbrücker Vorbild.

Im Rahmen eines Workshops in Tbilissi wurde im Juli 2017 darüber beraten, wie die Service-Nummer in Tbilissi passend zu den dortigen Verhältnissen eingeführt werden kann und welche konkreten Schritte dafür erforderlich sind.

Oberbürgermeisterin Charlotte Britz: „Bei einem Treffen im vergangenen Oktober habe ich mit meinem Tbilisser Kollegen Davit Narmania vereinbart, dass dieses Projekt in nächster Zeit im Zentrum unserer Beratungen stehen soll. Ich bin froh, dass wir unsere Freunde in Tbilissi dabei unterstützen können, die Dienstleistungsqualität für die Bürger und letztlich auch die Transparenz des Verwaltungshandelns zu erhöhen.“

Behördennummer erleichtert Verwaltungsarbeit:
Die Wissensdatenbank am Bildschirmarbeitsplatz, auf die die Mitarbeiter der Landeshauptstadt Saarbrücken bei Anrufen von Bürgern zugreifen, führt beim städtischen Eigenbetrieb für IT-Dienstleistungen IKS dazu, dass etwa 80 Prozent der Anfragen unter der Nummer 115 sofort und in hoher Qualität am Telefon erledigt werden können.

Die Wissensdatenbank wird nach und nach um neue Antworten der Fachämter auf Anfragen erweitert und steht an allen Bildschirmarbeitsplätzen zur Verfügung. Auch die Bestellung von Personenstandsurkunden oder die Vereinbarung von Terminen mit Sachbearbeitern des Bürgeramtes werden beim telefonischen Erstkontakt abschließend bearbeitet.

Die Vorteile kommen also nicht nur den Anrufern zugute. Auch die Fachämter können durch die Entlastung effizienter arbeiten. In den vergangenen Jahren hat sich bereits die Übertragung des Konzepts der Saarbrücker Bürgerämter auf die Stadt Tbilissi als großer Erfolg herausgestellt. In Tbilissi wurde ein modernes Bürgerbüro eingerichtet, das es Bürgern ermöglicht, an einer zentralen Stelle alle städtischen Dienstleistungen abzurufen, ohne zu den verschiedenen Ämtern gehen zu müssen.

Diese Idee wurde inzwischen von zahlreichen anderen Städten und Gemeinden in Georgien, aber auch von Ministerien und über die georgischen Grenzen hinaus übernommen. Darauf aufbauend soll jetzt auch die Behördennummer kommen.

Hintergrund:
Bereits seit 2002 arbeiten die Partnerstädte Saarbrücken und Tbilissi im Städtenetz Südkaukasus zusammen. In dem Beratungsnetzwerk, zu dem Tbilissi und weitere Städte in Georgien, Armenien und Aserbaidschan gehören, unterstützen die deutschen Partnerstädte den langwierigen Prozess, moderne, den Anforderungen einer demokratischen Gesellschaft entsprechende Verwaltungen aufzubauen.

Finanziell wird diese Kooperation vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert, organisatorisch von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ, früher GTZ).

Stadtansichten von Tbilissi

Zur Geschichte:

Am 22. März 1975 wurde im historischen Sitzungssaal des Tbilisser Rathauses der erste offizielle  Freundschaftsvertrag zwischen einer westdeutschen Stadt und einer Stadt der ehemaligen Sowjetrepublik geschlossen.

Der Saarbrücker Oberbürgermeister Oskar Lafontaine und der Tbilisser Oberbürgermeister Bachwa Lobshanidze besiegelten die Städtepartnerschaft zwischen Saarbrücken und der georgischen Hauptstadt Tbilissi.

Seine Wurzeln hat die nun seit 40 Jahren währende Freundschaft in der Kultur. Mitten im kalten Krieg der 60er Jahre versprach ein neuer Intendant am Saarbrücker Stadttheater (dem heutigen Saarländischen Staatstheater) im Grußwort zu seiner ersten Spielzeit “das Saarbrücker Theater […] zum Raum werden zu lassen, in dem sich Menschen über Konfessionen und Parteien, Vorurteile und Grenzen hinweg in der spielenden Gemeinschaft begegnen sollten." Hermann Wedekind war 1960 aus Basel gekommen, um die Saarbrücker Bühne zu einem „Theater der Welt“ zu machen.

Nach „Schweizer Theatertagen“ und einer „Deutsch-Französischen Theaterwoche“ folgten Österreichische und Amerikanischen Theatertage. Doch der wie viele seiner Generation durch Kriegserlebnisse geprägte und traumatisierte Wedekind sehnte sich auch nach Versöhnung und Frieden mit dem verfeindeten Osten. Das schier Unmögliche gelang. Am 12. März 1966 fanden in Saarbrücken die „Polnischen Theatertage“ statt, denen 1968 die „Russischen Theatertage“ folgen sollten. Schon vor der Unterzeichnung der „Moskauer Verträge“ 1970 hatte sich der Eiserne Vorhang für die Kunst geöffnet. Die Gegeneinladung in die Sowjetunion erreichte den leidenschaftlichen Künstler 1972. Zusätzlich zum Pflichtprogramm in Moskau und Leningrad durfte Wedekind sich eine Stadt aussuchen, die er besuchen würde. Intuitiv und spontan bat er um das wärmste Land der Sowjetunion – man schickte ihn nach Georgien.

In Tbilissi fand der Opernregisseur zahlreiche Seelenverwandte. „Nicht die Menschen sangen, es sang aus ihnen!“ Es entstanden Freundschaften, die ein Leben lang halten sollten.

Am 13. Januar 1973 fand im Saarbrücker Theater die Premiere der georgischen Oper „Daissi“ statt. Zur Premiere von Wagners „Lohengrin“ in Tbilissi (März 1973) reisten der saarländische Kultusminister Werner Scherer und der Saarbrücker Bürgermeister Edmund Haßdenteufel, begleitet von einer großen Delegation Saarbrücker Bürgerinnen und Bürger, nach Georgien. Erste Verhandlungen mit der Tbilisser Stadtverwaltung über eine Städtepartnerschaft wurden geführt. Unter den Teilnehmenden befand sich auch die Stadtverordnete Otti Maurer, die später in einem Schreiben an den Saarbrücker Oberbürgermeister Fritz Schuster anregen sollte, eine Städtepartnerschaft ähnlich der bereits bestehenden Partnerschaft mit Nantes einzugehen.

Es folgte die legendäre „Georgische Woche“ von Mai bis Juni 1974 in Saarbrücken. Nun waren auch die politischen Weichen für das Zustandekommen des Freundschaftsvertrages gestellt. Wichtige Wegbereiter im Hintergrund waren die bereits 1955 gegründete „Gesellschaft BRD – UdSSR“ und die „West – Ost –Freundschaftsgesellschaft“, die das Ihrige taten, um die komplizierten politischen Wege zu ebnen.

Am 22. März 1975 unterzeichneten der Saarbrücker Oberbürgermeister Oskar Lafontaine und der Tbilisser Oberbürgermeister Bachwan Lobshanidze den Freundschaftsvertrag im historischen Sitzungssaal des Tbilisser Rathauses. Das Dokument ist in deutscher und russischer Sprache abgefasst. Es bekräftigt das „Bemühen, zwischen beiden Städten, einen Beitrag für die Festigung des Friedens zwischen dem deutschen und dem sowjetischen Volk zu leisten“. Kulturelle Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten soll zu diesem Zweck gefördert und unterhalten werden. Dies geschehe insbesondere

  • durch die Entsendung von Delegationen aus beiden Städten,
  • durch den Austausch von Erfahrungen vor allem auf dem Gebiet der kommunalen Planung und Wirtschaftsführung und der Bewältigung sozialer Probleme,
  • durch die Entsendung von Künstlern aus beiden Städten,
  • durch die Förderung des Tourismus, durch die Förderung von Kontakten zwischen den gesellschaftlichen Organisationen in beiden Städten

Damit war die erste offizielle Städtepartnerschaft zwischen einer westdeutschen Stadt und einer Stadt der Sowjetunion geschlossen.