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Partnerstadt Nantes (Frankreich)

Die erste Partnerschaft zu einer Stadt schloss die Landeshauptstadt Saarbrücken 1965 mit der französischen Stadt Nantes. Der Partnerschaftsvertrag wurde am 27. April 1965 unterzeichnet.

Enge Kontakte zu den französischen Freunden

Partnerstadt Nantes

Partnerstadt Nantes

Mit knapp 300.000 Einwohnern steht die Stadt Nantes an sechster Stelle der großen Städte Frankreichs. Sie ist Hauptstadt der Region Pays de la Loire und des Departement Loire Atlantique. Die wirtschaftlichen Aktivitäten haben ihren Schwerpunkt im Handel, der Industrie und des Dienstleistungsbereichs. Große Bedeutung kommt in jüngster Zeit auch dem Bereich der Kreativwirtschaft zu.

Das sog. „Quartier de la création“ symbolisiert hierbei beeindruckend das Bestreben, die Vernetzung zwischen Kultur, Technologie und Wirtschaft zu entwickeln und hervorzuheben. Vielfältige kulturelle Angebote schaffen einen Ausgleich zwischen wirtschaftlichem und technologischem Fortschritt. Sie – und nicht zuletzt die Nähe zum Meer - sorgen für eine hohe Lebensqualität und haben Nantes zu einer der beliebtesten Städte innerhalb der französischen Bevölkerung gemacht.

Enge Partnerschaftskontakte zwischen Saarbrücken und Nantes bestehen zurzeit in den Bereichen Kultur, Jugend, Schulen und Vereine. Auch unterhält das städtische Amt für Grünanlagen, Forsten und Landwirtschaft traditionell gute Kontakte mit den Kollegen in der Partnerstadt.

Stadtansichten von Nantes

Zur Geschichte:

Am 8. April 1965 reiste eine Delegation aus Saarbrücken, angeführt vom damaligen Oberbürgermeister Fritz Schuster, nach Nantes um im Rathaussaal der französischen Hafenstadt zusammen mit dem Stadtoberhaupt André Morice die Städtepartnerschaft in einem Freundschaftsvertrag zu besiegeln.

Am 27. April 1965 beschließt der Stadtrat von Nantes einstimmig die Partnerschaft mit Saarbrücken einzugehen. Doch alles begann – wie so oft – mit einer erbitterten Feindschaft.

Im zweiten Weltkrieg geriet ein französischer Soldat in Schlesien in deutsche Kriegsgefangenschaft. Neben allem Leid erlebte der Soldat Jean Porhiel aus Nantes wie viele andere Deutschen und Franzosen seiner Zeit statt Feindschaft und Hass, auch Menschlichkeit und Freundlichkeit. Geprägt durch die Schrecken des 1. und 2. Weltkrieges, die er beide erleben musste, doch auch durch die menschlichen Begegnungen, ja Freundschaft, mit dem angeblichen „Erbfeind“, verfolgte der Franzose fortan ein Ziel:

„In dieser Zeit der Gefangenschaft reifte in mir der Entschluss, mich nach meiner Heimkehr – falls ich den Krieg überleben sollte – der Versöhnung der Völker zu widmen. Diesem Vorsatz und meinem Gelübde bin ich bis heute treu geblieben.“ (Quelle: Jean Porhiel: „Ein Brief aus Frankreich")

Im Mai 1945 kehrte Porhiel aus der Kriegsgefangenschaft nach Nantes zurück. Bald darauf gründete er eine Regionalzeitung, aus der später das Nanteser Blatt „Presse Océan“ hervorgehen sollte. Damit hatte er ein geeignetes Forum für seine Mission gefunden. Von nun an setzte er sich unermüdlich für den Aufbau einer Deutsch – Französischen Freundschaft ein, die die alten Feindbilder in Vergessenheit geraten lassen sollte.

1960 wurde in Saarbrücken als Zeichen der Versöhnung nahe der Grenze der Deutsch – Französische Garten eröffnet. Das Ereignis hatte sich sogar bis in die Atlantikstadt Nantes durchgesprochen und stieß dort auf das Interesse des städtischen Gartenbaudirektors Plantiveau. Zusammen mit dem Direktor Alain Genevois, Direktor des „Syndicat d’Initiative“ und dem Leiter der Nanteser Keksfabrik „LU“ reiste man nach Saarbrücken um den neu gegründeten DFG und weitere Parkanlagen und Friedhöfe zu studieren. Es kommt zu ersten Kontakten mit dem Saarbrücker Brauereibesitzer Gottfried Bruch und dem städtischen Angestellten Bernhard Güth. Man ist sich sympathisch. Seitens der Nanteser Gäste äußert man den Wunsch in Verbindung zu bleiben und besonders den Kontakt zu Saarbrücker Gartenfachleuten zu pflegen.

Als im Jahre 1963, die alle sieben Jahre stattfindende Garten- und Blumenausstellung „Floralies Internationales de Nantes“ stattfindet, empfängt man eine offizielle Delegation aus Saarbrücken. Die Saarländer sind auf der Gartenmesse mit einem eigenen Stand vertreten. Während des Besuchs erwägt man zum ersten Mal den Gedanken einer Städtepartnerschaft zwischen Nantes und Saarbrücken. Nun ist die Stunde des Jean Porhiels gekommen. In Bernhard Güth, damals städtischer Vertreter des Saarbrücker Verkehrsamtes, findet er einen Freund und Mitstreiter für die gemeinsame Sache. Der inzwischen zum Abteilungsleiter bei „Presse Océan“ aufgestiegene Porhiel beginnt von nun an Kontakte zur „Saarbrücker Zeitung“ zu knüpfen um in beiden Regionalblättern den Gedanken an eine Städtepartnerschaft voranzutreiben.  Auf einer Reise nach Saarbrücken trifft Porhiel 1964 den Saarbrücker Oberbürgermeister Fritz Schuster zum ersten Mal und wirbt für seine Idee.

Inzwischen häufen sich bereits die Besuche und Kontakte zwischen den beiden Städten: Es kommt zu ersten Schüleraustauschen, Gäste aus Nantes besuchen touristische und kulturelle Veranstaltungen in Saarbrücken, die „Scouts de France“ – eine französische Pfadfindergruppe – treffen sich mit den St. Georgs Pfadfindern aus Saarbrücken, die „Cercle Parachutiste Nantaise“ schließen eine Partnerschaft mit der Fallschirmspringergruppe des „Aero-Clubs-Saar".

Der Jugend, die die Partnerschaft mit Nantes schon längst realisiert hatte, und dem unermüdlichen Wirken und Werben Jean Porhiels für einen Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Städten, ist es letztendlich zu verdanken, dass nun auch die Politik begann ihre Partnerschaftsambitionen zu intensivieren.

Bereits am 15.12.1964 beschloss der Stadtrat in Saarbrücken einstimmig eine Partnerschaft mit Nantes einzugehen und im folgenden Jahr reiste man nach Nantes um dort am 8. April 1965 die Urkunde zu unterzeichnen. Jean Porhiel, „Monsieur Jumelage“, wie er inzwischen in Nantes genannt wird, heißt die Gäste aus Saarbrücken am Bahnhof willkommen. Ganz in seinem Sinne äußert sich Oberbürgermeister André Morice anlässlich eines Banketts im Rathaus unter dem Applaus der Anwesenden:

„Wir wollen sein ein Herz, das man beiderseits der Grenzen schlagen hört. Möge auf dem Fundament dieser Partnerschaft ein konstruktives, zutiefst menschliches Werk entstehen - ein Europa, das die Grenzen beseitigt." (André Morice, Oberbürgermeister von Nantes, während des Empfangs der Saarbrücker Delegation anlässlich zur Unterzeichnung des Vertrages (1965), Quelle: Theis, Werner: 25 Jahre deutsch – französischer Freundschaftsvertrag, Städtepartnerschaft Saarbrücken – Nantes, Landeshauptstadt Saarbrücken (Hg.), 1988; S. 41)

Der einstimmige Beschluss des Nanteser Stadtrates mit Saarbrücken eine Städtepartnerschaft einzugehen, erfolgt am 27. April. Damit ist die offizielle Freundschaft zwischen den beiden Städten besiegelt.

Jean Porhiel wird am 3.11.1987 zum Ehrenbürger der Stadt Saarbrücken ernannt.