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Freifläche in Schafbrücke offiziell als „Gouvy-Platz“ benannt

Dienstag, 4. Juni 2013

Oberbürgermeisterin Charlotte Britz hat gemeinsam mit Bezirksbürgermeister Daniel Bollig am Dienstag, 4. Juni, die Fläche an der Ecke Mittelstraße/Bahnstraße in Schafbrücke offiziell als „Gouvy-Platz“ benannt.

Der mit Linden bestandene Platz ist rund 200 Quadratmeter groß und lädt mit drei Bänken zum Verweilen ein. Er war bislang namenlos. Die Benennung geht auf eine Initiative des Bezirkrates Halberg zurück und wurde einstimmig beschlossen. Mit ihr soll an die Industriellen-Familie Gouvy erinnern, die im 18. und 19. Jahrhundert in Saarbrücken gewirkt hatte.

Die Familie hatte sich 1751 östlich von Saarbrücken im Bereich des heutigen Schafbrücke aus Belgien kommend niedergelassen und dort eine Eisenhütte mit Stahlhammer gegründet. Sie war im Andenken an ihr belgisches Heimatdorf „Goffontaine“ benannt worden. Bis zum Tod von Henry Gouvy im Jahr 1829 prägte die Familie über Jahrzehnte das kulturelle und wirtschaftliche Leben in dieser Gegend. Nach seinem Tod zog Ehefrau Caroline mit ihren Söhnen zu Verwandten nach Metz. Noch heute existieren eine Freifläche des damaligen Absinkweihers sowie Reste des alten Wohnhauses und des Betriebes. Zudem weist die Straße „Am Stahlhammer“ auf die damalige industrielle Nutzung hin.

Komponist Louis Théodore Gouvy

Der wohl bekannteste Vertreter der Familie war Louis Théodore Gouvy (geboren am 3. Juli 1819 in Schafbrücke, verstorben am 21. April 1898 in Leipzig), jüngstes der vier Kinder von Henry und Caroline Gouvy. Louis Théodore war ein bedeutender deutsch-französischer Komponist der Romantik, dessen erste Schaffensphase sich auf die Instrumentalmusik konzentrierte und der sich ab etwa 1874 in seiner zweiten Schaffensphase auf die Chormusik verlegte. Im Jahr 1873 wurde er in den Ausschuss der Société nationale de musique berufen. 1874 wurde er Mitglied des Institut de France und 1875 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Sein gesamtes Leben wurde von der französischen und der deutschen Kultur und Politik gleichermaßen beeinflusst. Er war im 19. Jahrhundert ein bekannter und populärer Komponist, jedoch fiel später sein musikalischer Ruhm dem zunehmenden Nationalismus in Europa zum Opfer. Auch an ihn soll der Platz erinnern.