Zwischen Kunst und Vespa – Übernahme des Nachlasses von Adolf Nass

Im Januar 2026 übernahm das Stadtarchiv Saarbrücken den Nachlass des Saarbrücker Künstlers und Grafikers Adolf Erwin Nass (1921 bis 2015). 

Der Bestand dokumentiert nicht nur sein künstlerisches Wirken, sondern auch Aspekte von Alltagskultur, Vereinsleben und bürgerschaftlichem Engagement in Saarbrücken von der Nachkriegszeit bis in die 2010er Jahre. 

Ausbildung und Tätigkeit als Künstler

Adolf Nass wuchs in Saarbrücken auf und arbeitete zunächst als technischer Zeichner an der Burbacher Hütte.

Seine künstlerische Ausbildung erhielt er an der Meisterschule Kaiserslautern sowie an der damaligen Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken, der Vorgängerinstitution der heutigen Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBKsaar).

Neben seiner freien künstlerischen Tätigkeit war Nass als Werbegrafiker und Schaufensterdekorateur tätig, unter anderem für das Kaufhaus Walter in der Saarbrücker Viktoriastraße.

Nass’ Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt, etwa in der Pfalzgalerie Kaiserslautern, im Saarlandmuseum und in der Modernen Galerie in Saarbrücken. Ab den 1970er Jahren präsentierte er seine Arbeiten zudem in der von ihm betriebenen Galerie Eschberg in der Garage seines Wohnhauses.

Das Werk des selbsternannten „Visionsmalers“ reicht von Bleistiftzeichnungen und Aquarellen bis hin zu abstrakten, expressiven Gemälden, die häufig zeitgenössische gesellschaftliche Diskurse – etwa zur Umweltproblematik oder zur technischen Bedrohung – aufgreifen.

Für sein Gemälde Atomar 70 erhielt Nass 1970 beim Grand Prix de Peinture der Stadt Sarreguemines die Silbermedaille.

Inhalt des Nachlasses

Der Nachlass enthält zahlreiche private Fotografien von Familien und Freunden sowie viele Materialien zur Leidenschaft von Adolf Nass für Motorroller der Marke Vespa. Überliefert sind unter anderem Fotografien, Bücher, Zeitschriften und persönliche Erinnerungsstücke.

Besonders umfangreich sind die Bildbestände zum Vespa-Club Europafreunde Saar, den Nass mitgründete. Die Aufnahmen dokumentieren gemeinsame Ausflüge, Veranstaltungen und Reisen – teilweise bis nach Italien – und veranschaulichen Aspekte von Freizeit-, Vereins- und Mobilitätskultur.

Einzelne Materialien, darunter beispielsweise Fotografien vom NPD-Parteitag 1966, bedürfen der kritischen Einordnung.

In Verbindung mit der im Nachlass vielfach dokumentierten Erinnerung an den Afrikafeldzug 1941 bis 1943 sowie seinem Engagement im „Verband Deutsches Afrika-Korps“ legen diese Quellen eine affirmative und teils verklärende Bezugnahme auf die eigene soldatische Vergangenheit nahe.

Nass' Engagement beim Wiederaufbau des Winterbergdenkmals

Diese Ambivalenz spiegelt sich auch in Nass’ Einsatz für den Wiederaufbau des Winterbergdenkmals wider. Dieses war im Zuge des Zweiten Weltkrieges 1939 aus strategischen Gründen zerstört worden.

Nass gründete 1975 das „Kuratorium zum Wiederaufbau des Winterbergdenkmals Saarbrücken“, das gemeinsam mit dem „Verband Deutsches Afrika-Korps“ zu Spenden aufrief.

Selbsternanntes Ziel war es, das Denkmal als „Mahnmal und Begegnungsstätte im Sinne des europäischen Einigungsgedankens“ wiedererstehen zu lassen. Der Wiederaufbau blieb schließlich aus Kostengründen auf den Sockel beschränkt.

Gerade im Fall des Winterbergdenkmals, das ursprünglich im Kontext des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 als Sieges- und Ehrenmal errichtet worden war, erscheint der Versuch seiner Umdeutung in ein Zeichen europäischer Verständigung besonders spannungsreich.

Dies insbesondere vor dem Hintergrund der seit den 1960er Jahren an Bedeutung gewinnenden deutsch-französischen Annäherung, nicht zuletzt infolge des Élysée-Vertrags von 1963.

Der Quellenwert dieses Bestandes

Der Nachlass von Adolf Nass dokumentiert damit nicht nur individuelles Erinnern, sondern verweist zugleich auf die Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit der bundesdeutschen und auch saarländischen Erinnerungskultur nach 1945. Sein archivischer Wert liegt gerade in dieser Mehrdeutigkeit.

Der Bestand wird aktuell archivgerecht verpackt sowie verzeichnet und steht interessierten Nutzerinnen und Nutzern bald zur Verfügung.