Migration – „da ist Poesie drin"
Trotzdem ist die Migration in unserem kollektiven Geschichtsbewusstsein noch nicht angekommen. Dies ist einerseits ein Indiz für die noch nicht vollzogene Integration, aber auch Folge einer insgesamt schwachen Quellenbasis in den Archiven.
Archive halten mit ihren Quellen den Rohstoff für die Geschichtsschreibung vor und auch im Stadtarchiv Saarbrücken gibt es kaum Unterlagen zur Migrationsgeschichte. Die wenigen vorhandenen Quellen zeigen die Geschichte zudem nur aus der Perspektive der städtischen Verwaltung.
Das Stadtarchiv Saarbrücken will die Geschichte der Saarbrücker Migration besser dokumentieren. Deshalb bildet die Einwerbung von privaten Unterlagen von Migranten und ihren Vereinen sowie von Unternehmen und Gewerbetreibenden mit Migrationshintergrund eine wichtige Aufgabe für das Stadtarchiv. Nur durch die Einbindung von Migranten als Multiplikatoren, die Kontakte herstellen und für Vertrauen werben, wird dies möglich sein.
Anlässlich des von ZIB (Zuwanderungs- und Integrationsbüro) am 26. September im Stadtarchiv durchgeführten Workshops zur Migrationsgeschichte im Rahmen der interkulturellen Wochen konnte das Stadtarchiv seine Ideen vorstellen und Kontakte knüpfen. Saarbrücken zählt damit zu den wenigen Archiven in Deutschland, die sich dieser Herausforderung stellen. Herausragend sind die Aktivitäten des Stadtarchivs Nürnberg, das seit über fünf Jahren an einem solchen Projekt arbeitet und im Oktober 2011 nun eine Ausstellung zur Geschichte der Migration eröffnet.
In Nürmberg wurden umfangreich Zeitzeugeninterviews durchgeführt. Sie bilden eine unverzichtbare Säule neben der Einwerbung von Fotos, Tagebüchern, Arbeitsverträgen und anderen Unterlagen von Migranten. Auch das Stadtarchiv München hat der Migrationsgeschichte 2011 ein Workshop gewidmet.
Der Saarbrücker Workshop zur Einwanderung in Deutschland und in Saarbrücken widmete sich vor allem der Geschichte der Migrantinnen. Dabei zeigte sich, wie vielfältig und facettenreich Migrationsgeschichte sein kann. Dazu zählen auch die besonderen Emotionen und darin liegt, wie ein Teilnehmer in der Abschlussdiskussion bemerkte, „die Poesie“ des Themas, nicht im Sinne von Dichtung, sondern im Sinne von Biografien, die es zu entdecken gilt.
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