Informationen zum Schwangerschaftsabbruch

Broschüre Schwangerschaftsabbruch - Shutterstock.com/Surfsup

Broschüre Schwangerschaftsabbruch - Shutterstock.com/Surfsup

Broschüre Schwangerschaftsabbruch - Shutterstock.com/Surfsup

Je gleichberechtigter Männer und Frauen leben, desto deutlicher wird, dass Schwangerschaft und Elternschaft noch lange nicht geschlechtergerecht funktionieren.

Die offensichtlichen biologischen Gründe sind nur ein Aspekt dieses Dilemmas. Tatsächlich verdienen Mütter nach der Geburt Ihres Kindes im Schnitt 60 Prozent weniger als zuvor, Frauen gehen häufiger in Teilzeit, machen längere berufliche Pausen, sind in der Familienarbeit anderthalbmal so stark wie Männer involviert und gelten noch immer den allermeisten Kitas, Schulen und anderen Eltern als erste und zuständige Ansprechpartnerin, wenn es um die Kinder geht. Kurz gesagt: Kinder sollte man wollen. Dann bringen Sie den meisten Eltern so viel Freude und Zauber, dass es alle Strapazen ausgleicht.

Wer unerwartet eine Schwangerschaft feststellt, muss in kurzer Zeit eine große Entscheidung treffen.

Die meisten Schwangeren überlegen zunächst, was sich durch ein (weiteres) Kind in ihrem Leben verändern würde; ob die eigene Gesundheit ausreichend ist, um das Kind auszutragen. Ob das soziale Netz stabil genug ist, um ihm ein zu Hause zu schenken; ob die finanzielle Sicherheit besteht, um für das Kind auch dann gut sorgen zu können, wenn es mehr braucht als die meisten anderen Kinder.

Und sie überlegen sich, auf welches Leben sie zurückblicken wollen, was diese Schwangerschaft für ihre Beziehung, ihre Familie oder ihre Pläne bedeutet.

Gut die Hälfte der ungewollt Schwangeren entscheidet sich nach dieser Lebensanalyse für die Fortsetzung der Schwangerschaft, die andere Hälfte recherchiert zum Schwangerschaftsabbruch. Wie dieser abläuft, welche Methoden es gibt und was zu beachten ist, ist in Deutschland stark tabuisiertes Wissen.

Zwar ist der Schwangerschaftsabbruch der häufigste chirurgische gynäkologische Eingriff, aber er wird weder im Studium gelehrt noch dürfen die anbietenden Ärztinnen und Ärzte über diese Gesundheitsleistung öffentlich informieren. Aufgrund des „Werbeverbots“ (§219 StGB) wurden zahlreiche Gynäkolog*innen dazu verurteilt, sachliche Informationen zurückzuziehen. Mythen und Fehlinformationen zu Schwangerschaft und Abtreibung sowie ideologischer Druck mit dem Ziel, das Selbstbestimmungsrecht von Frauen stärker zu begrenzen, sind allerdings legal. Dadurch gestaltet sich die Suche nach Informationen zum Schwangerschaftsabbruch oft als zeitlich und psychisch aufwändig.

Broschüre

Das Frauenbüro Saarbrücken hat die vorliegende Broschüre zum Schwangerschaftsabbruch mit Hilfe der Informationen von Praktiker*innen erstellt und außerdem den Text von erfahrenden Gynäkolog*innen aus dem Saarland prüfen lassen. Wir möchten mit den sachlichen und faktisch korrekten Informationen zum Schwangerschaftsabbruch

  1. Personen im Schwangerschaftskonflikt mehr Zeit und sichere Fakten für die informierte und ergebnisoffene Entscheidungsfindung ermöglichen.
  2. Fachstellen, die Beratungsscheine ausstellen, die Broschüre zur Verfügung stellen, um sie unterstützend zum individuellen Gespräch einzusetzen. Die Beratungsstellen informieren übrigens nicht nur über Abbrüche, sondern auch über Unterstützungsmöglichkeiten für Eltern und Familien, sowohl finanziell als auch psychoszial.
  3. Ärztinnen und Ärzten solidarisch begegnen, die (noch) nicht selbst über die von ihnen angebotenen Eingriffe informieren dürfen.
  4. Das Tabu rund um Schwangerschaftsabbrüche etwas aufweichen. Während sich 95% der Frauen auch Jahre nach dem Schwangerschaftsabbruch mit dieser Entscheidung im Reinen fühlen und meist dankbar und erleichtert sind, die Möglichkeit dazu gehabt zu haben, kann das Tabu um Abtreibungen (das nicht-(postiv-)davon-berichten-dürfen) belastend sein.
  5. Medizinische Fachkräfte erreichen und motivieren, sich in diesem Feld zu engagieren. Denn auch das stärkste Recht auf Selbstbestimmung nützt wenig, wenn immer mehr Praxen geschlossen werden, immer seltener diese Leistung angeboten wird und Schwangere mit Abtreibungswunsch mitunter schlicht nicht die logistischen, finanziellen und zeitlichen Hürden überwinden können, um den Eingriff vornehmen zu lassen.

Nutzen Sie die vorliegende Broschüre gerne auch als Gesprächsanlass, wenn Sie sie selbst aktuell nicht brauchen. Tragen Sie gerne auch dazu bei, das unerwartet Schwangere bereits wissen, dass es sie gibt, bevor sie sie brauchen. Und engagieren Sie sich möglichst auch in ihrem privaten Umfeld dafür, dass Mutterschaft, hohe Arbeitsbelastung (unbezahlt) und Armutsrisiko nicht mehr „selbstverständlich“ zusammengehören.
Vielen Dank!