Festival Perspectives: Sons of Sissy

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SIMON MAYER

Sons of Sissy (Foto: Arne Hauge)

Sons of Sissy (Foto: Arne Hauge) - Festival Perspectives 2019

Grenzen auflösen statt aufbauen – dieser Herausforderung stellen sich die aus Österreich stammenden Sons of Sissy - Simon Mayer, Matteo Haitzmann, Patric Redl und Manuel Wagner - mit beeindruckender Radikalität und beißender Ironie. In ihrem gleichnamigen Stück begeben sie sich in den Kosmos des Volkstanzes und der Volksmusik aus dem alpinen Raum und wirbeln diesen mit schrägen, zeitgenössischen Tanzelementen auf.

So wird die einst politisch instrumentalisierte Kunstform nicht nur von ihrer konservativen und nationalen Aufladung befreit, vielmehr noch: Die ansteckende Freude an der Bewegung, das Ausleben von Emotionen und der Wunsch,
durch die unerschöpflichen, rituellen Ausdrucksmöglichkeiten des Tanzes, Unheilsames in Heilsames zu verwandeln, rücken in den Vordergrund.

Dabei wird mit der Darstellung alpenländischer Traditionen keineswegs gespart: Es wird gemeinsam musiziert, gejodelt, gestampft, geklatscht, geschuhplattelt, ja sogar das infernalisch anmutende „Goaßlschnalzen“ (Peitschenknallen) findet seinen großen Einsatz.

Die Choreografie

Simon Mayers Choreografie durchbricht jedoch sämtliche konventionelle Erwartungshaltungen. Der international hoch gelobte Künstler, der mitunter in Produktionen von Anne Teresa de Keersmaeker und Wim Vandekeybus getanzt hat, dekonstruiert traditionelle Männerbilder mit ausgeklügeltem Humor und einer ausgeprägten Feinfühligkeit: An Stelle des Machos, der stets seine vermeintliche Stärke beweisen muss, treten nun sensible Menschen, die den Mut haben, die Grenzen ihrer Verletzlichkeit – individuell und kollektiv – auszuloten. Auch nackt.

Wie der ironisch-verspielte Titel schon ahnen lässt, sind die Sons of Sissy weder kaiserliche Söhne ihrer Heimat noch sind sie „sissies“ (engl. für „Weichlinge“). Statt sich in eine Schublade stecken zu lassen, tanzt sich das Quartett lieber kraftvoll in einen faszinierenden Trancezustand, bei dem jegliche Grenzen hinter sich gelassen und Raum für ambivalente Energien geschaffen werden. Simon Mayers Tanzsprache ist universal, laut und im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Wer Tanz hören und Musik sehen will, sollte diese unglaubliche Performance nicht verpassen.

Weitere Informationen

Ohne Worte

Dauer: circa 60 Minuten

Mehr unter: www.simonmayer.at

Veranstaltungsdetails

Art:
Festival
Ort:
Alte Feuerwache
Am Landwehrplatz 2
66111 Saarbrücken
Telefon:
+49 681 3092-0
Internet:
http://www.saarlaendisches-staatstheater.de
Datum (abgelaufen):
12.06.2019 - 20:30 Uhr

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