Künstlerwettbewerb "Denkmal Synagogenvorplatz"

Künstler/-innen konnten Projektentwürfe zum Wettbewerb "Denkmal Synagogenvorplatz Saarbrücken - Namentliches Gedenken an die deportierten und ermordeten saarländischen Jüdinnen und Juden” einreichen. 

Die Landeshauptstadt Saarbrücken und das Saarland möchten in Form eines permanenten Denkmals an die Deportation und Ermordung der saarländischen Jüdinnen und Juden erinnern. Zum Gedenken auch an die Namen der Opfer soll auf dem Vorplatz der Synagoge in Saarbrücken ein Gedenkort entstehen.

Dazu gibt es einen offenen, anonymen Künstler/-innenwettbewerb. Ausgelobt wird dieser durch die Landeshauptstadt Saarbrücken, vertreten durch den Dezernenten für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Umwelt, Thomas Brück, sowie den Baudezernenten, Prof. Heiko Lukas.

Bezugsrahmen und Aufgabenstellung

Den inhaltlichen Rahmen bildet eine aktualisierte Deportationsliste, die heute circa zweitausend Namen umfasst. Teil der Aufgabe ist es, neben dem Namen gegebenenfalls auch Geburtsnamen, Geburts- und Todesdatum und die Deportationsorte, die als Synonym für den Holocaust stehen, zu benennen.

Das Denkmal soll die Erinnerung an die Verfolgung und Ermordung dieser Mitbürger und Mitbürgerinnen wach halten. Der stark frequentierte Vorplatz der Synagoge in der Lortzingstraße eignet sich auf besondere Weise dazu.

Auf dem Synagogenvorplatz steht eine klar definierte Fläche für die Gestaltung zur Verfügung. Eine Einbeziehung der Steinbekleidung der Fassade der Synagoge ist nach denkmalrechtlicher Einschätzung möglich. Vis à vis bildet eine Reihe von Betonbänken die massive Abgrenzung zum Beethovenplatz. Eine Überformung ist hier zulässig.

Juryentscheidung: Preisträgerinnen und Preisträger

Kulturdezernent Thomas Brück hat am Freitag, 27. September, zusammen mit Peter Strobel, Minister für Finanzen und Europa, sowie dem Vorsitzenden der Synagogengemeinde Saar, Richard Bermann, die Ergebnisse des Künstler/-innen-Wettbewerbs vorgestellt. Beratend stand der Architekt Professor Wolfgang Lorch als Juryvorsitzender zur Seite.

1. Preis

Der erste Preis, dotiert mit 15.000 Euro, ging an die Künstlergruppe Mannstein + Vill aus Berlin für ihren Entwurf mit dem Titel „Der Name ist ein Stück des Seins und der Seele“, basierend auf einem Zitat von Thomas Mann.

Zur Jurybegründung sagte Kulturdezernent Thomas Brück: „Mit dem Siegerentwurf hat die Jury einen herausragenden Entwurf prämiert. Es handelt sich um eine begehbare, mehrfach geschwungene Skulptur aus Edelstahl, bestehend aus freigelaserten Buchstaben, die die Namen und Geburtsdaten der deportierten und ermordeten jüdischen Saarländerinnen und Saarländer formen. Uns hat die eigenständige künstlerische Interpretation überzeugt, die ohne Pathos auskommt und auf künstlerische Weise den gebotenen Respekt vor der Synagoge zeigt. Die Arbeit der Berliner Künstlergruppe bringt die Namensnennung der Opfer der Schoah filigran und transparent auf den Platz an der Synagoge.“

2. und 3. Preis

Auf Platz zwei und drei folgen die Entwürfe von Daniel Widrig aus London und Ulrike Baer, Stefan Ochs und Dirk Rausch aus Saarbrücken. Sie erhalten jeweils 10.000 beziehungsweise 5000 Euro. Platz vier und fünf belegen Manuel Pfänder aus Offenbach von „BRFRPF Brunke, Frell, Pfänder Architekt und Ingenieure“ sowie Ariel Auslender und Fabian Luttropp von der Auslender Luttropp Gestaltungsagentur. Ihre Entwürfe kauft die Landeshauptstadt für eine Summe von jeweils 2500 Euro an.

Der Entwurf einer der Preisträger wird voraussichtlich im kommenden Jahr realisiert.

Jury begutachtete 98 eingesendete Entwürfe

Die Landeshauptstadt hatte den offenen, anonymen Wettbewerb für Künstlerinnen und Künstler im Sommer ausgelobt. Bis zum Einsendeschluss am 6. September lagen 98 Entwürfe vor.

In einer ganztägigen Sitzung am Donnerstag, 26. September, begutachtete eine Fachjury die eingesendeten Entwürfe. Als externe Fachjuroren waren unter anderem Professor Dr. Wolfgang Benz (Historiker, Berlin) und Dr. Christiane Twiehaus (wissenschaftliche Referentin, Köln) dabei.

Ausstellung der Entwürfe

Von Montag, 30. September, bis Mittwoch, 2. Oktober, können sich Interessierte im Foyer des Finanzministeriums die besten ausgewählten Entwürfe anschauen. Die Ausstellung ist täglich von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

Hintergrund

Ein permanent im öffentlichen Raum sichtbares namentliches Gedenken fehlt bis heute. Diesem Defizit will die Landeshauptstadt Saarbrücken auf der Grundlage eines Stadtratsbeschlusses vom 5. Oktober 2016 abhelfen und ein würdiges, die vorhandenen Erinnerungsformen sinnvoll ergänzendes und zeitgemäßes Denkmal an der Synagoge schaffen.

Die Maßnahme steht im weiteren räumlichen Zusammenhang mit dem 2013 neu gestalteten Rabbiner-Rülf-Platz. Inhaltlich wird die Singularität des Holocausts dargestellt, mit dem namentlichen Gedenken an den einzelnen Menschen und eingedenk der großen Zahl von Opfern.

Weitere Informationen

  • Teilnahmebedingungen

    Jeder Teilnehmer durfte nur einen künstlerischen Entwurf einreichen. Die Arbeiten sind ungefaltet und gerollt einzureichen. Der Darstellungsmaßstab ist anzugeben. Format: maximal 3 x DIN A0 oder DIN A1 hochkant, zusätzlich im PDF-Format. Bei Media-Arbeiten in adäquater Form. Räumliche Darstellungen/Perspektiven sind zulässig.

    Eingesandte Entwürfe und gegebenenfalls Modelle können innerhalb von vier Wochen nach der Jurysitzung abgeholt werden. Ausgenommen hiervon sind die prämierten Wettbewerbsarbeiten, die Eigentum des Auslobers unter Beachtung der urheberrechtlichen Bestimmungen werden.

    Der Entwurf musste folgende Unterlagen in einfacher Ausfertigung in deutscher oder englischer Sprache enthalten:

    1. Kunst-/Materialkonzept (maximal 2 DIN A4-Seiten) / detaillierte Angaben zum Objekt mit Lageplan, Zeichnungen und/oder Anschauungsmodell. Eine plausible Quantifizierung des Platzbedarfes der Namen.
    2. Eine Kostenschätzung inklusive künstlerischem Honorar und Herstellungskosten in nachvollziehbarer Form.
    3. Verfassererklärung zur Autorschaft des Kunstwerks in einem verschlossenen Umschlag. Die Arbeiten sind mit einer sechsstelligen Zahl zu anonymisieren.

    Der Auslober haftet nicht für den Verlust oder die Beschädigung der eingesandten Entwürfe und Modelle.

  • Umsetzung und Fachjury

    Ziel ist es, nach dem Wettbewerb einen der prämierten Entwürfe binnen Jahresfrist zu realisieren.

    Über die Entwürfe entscheidet eine Jury, die am 26. September tagt und sich aus Fach- und Sachjuror/-innen zusammensetzt. Als externe Fachjuror/-innen nehmen unter anderem an der Jurysitzung teil: Prof. Dr. Wolfgang Benz (Historiker, Berlin), Prof. Dr. Salomon Korn (Architekt, Frankfurt) und Dr. Christiane Twiehaus (Wissenschaftliche Referentin, Köln).

    Zur Realisierung des Entwurfes steht insgesamt ein Budget von 345.000 Euro zur Verfügung.

    Als Preise für den Wettbewerb werden ausgeschüttet:

    • 1. Preis 15.000 Euro
    • 2. Preis 10.000 Euro
    • 3. Preis 5.000 Euro
    • Ankäufe 5.000 Euro

    Das Preisgeld für den Siegerentwurf wird im Falle der Realisierung des Entwurfs auf das Künstlerhonorar angerechnet.

    Die Ergebnisse des Wettbewerbes stellt Kulturdezernent Thomas Brück am Freitag, 27. September, um 12.30 im Ministerium für Finanzen und Europa vor. Im Anschluss werden die Teilnehmereinreichungen hier auf der Webseite präsentiert.

Dokumente zum Download