Poetikdozentur für Dramatik

Rebekka Kricheldorf mit achter Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik ausgezeichnet.

Rebekka Kricheldorf - Pressefoto: Karoline Bofinger

Rebekka Kricheldorf - Pressefoto: Karoline Bofinger

Rebekka Kricheldorf - Pressefoto: Karoline Bofinger

Nach Rimini Protokoll, Roland Schimmelpfennig, Kathrin Röggla, Albert Ostermaier, Falk Richter, Milo Rau und She She Pop übernimmt die Dramatikerin Rebekka Kricheldorf in diesem Jahr die achte Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik der Universität des Saarlandes.

Die Vorträge, die Kricheldorf in diesem Rahmen hält, sind öffentlich und fanden an drei Montagabenden im Juni und Juli 2019 statt. Veranstaltungsorte waren das Saarländische Staatstheater, das Theater im Schlosskeller (Saarbrücker Schloss) und die Stadtgalerie Saarbrücken.

Mehr zur Dozentur

  • Die Themen im Überblick

    Im Zentrum der Saarbrücker Vorträge von Rebekka Kricheldorf stand das Komische im Theater: Komik als Überlebensstrategie, Humor als Werkzeug subversiver Aufklärung und ein Plädoyer für die Rehabilitation der Komödie.

    In ihren Vorlesungen geht Kricheldorf unter anderem der Frage nach, warum sie sich „verstörende Unterhaltung“ (oder unterhaltsame Verstörung) als Mission erwählt hat, warum Unterhaltung im deutschen Theaterkontext oft ein Schimpfwort ist und warum dagegen zu protestieren sei.

    Dabei werden grundlegende Reflexionen zum Theater und zur theatralen Situation, zu Märchen, Mythen und Monstern auf der Bühne, zur Mischung von Hohem und Niederem, Trash und Hochkultur mit konkreten Einblicken in die eigene Werkstatt – insbesondere zur Entstehungsgeschichte der aktuellen Saarbrücker Uraufführung Werwolf – verbunden.

    Parallel findet an der Universität des Saarlandes ein Seminar zum Werk von Rebekka Kricheldorf statt, das ein Gespräch zwischen der Theatermacherin und den Studierenden einschließt.

  • Die Dozentin

    1974 in Freiburg (i.Br.) geboren, studierte Rebekka Kricheldorf zunächst Romanistik an der Humboldt-Universität Berlin (1995 bis 1997), danach Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin (1998 bis 2002).

    Bereits 2001 wurde sie zur Göttinger Dramatiker-Werkstatt eingeladen und erhielt ein Aufenthaltsstipendium auf Schloss Wiepersdorf, 2002 folgten der Autorenpreis der deutschsprachigen Theaterverlage und der Publikumspreis beim Heidelberger Stückemarkt für "Prinzessin Nicoletta. Ein Märchen für Erwachsene", mit dem sie zugleich im März 2003 am Stadttheater Gießen als Dramatikerin debütierte.

    Seither sind über 30 Theaterstücke von ihr zur Aufführung gekommen unter anderem in Bern, Göttingen, Heidelberg, Jena, Kassel, Mannheim, Nürnberg oder Osnabrück. Sie schrieb Auftragswerke für das Staatstheater Stuttgart, das Theater am Neumarkt Zürich, das Staatstheater Kassel und für das Deutsche Theater Berlin.

    Kricheldorf erhielt 2003 für "Kriegerfleisch" den Kleist-Förderpreis. 2004 war sie Hausautorin am Nationaltheater Mannheim, von 2009 bis 2011 am Theaterhaus Jena. Mit ihren Stücken "Die Ballade vom Nadelbaumkiller, Alltag & Ekstase" und "Fräulein Agnes" wurde sie bereits drei Mal (2005, 2014 und 2018) zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. 2010 erhielt sie für "Villa Dolorosa", ihre Nachdichtung von Tschechows "Drei Schwestern", den Förderpreis Komische Literatur der Stadt Kassel.

  • Aufführungen

    Am Saarländischen Staatstheater war bereits 2011 Kricheldorfs "Villa Dolorosa. Drei missratene Geburtstage" zu sehen. Ab dem 30. März ist sie in der Alten Feuerwache die Uraufführung ihres neuesten Stücks "Werwolf. Eine Mythengroteske" zu sehen sein.

    Seit über 15 Jahren schreibt Rebekka Kricheldorf spöttische Farcen, aberwitzige Komödien und kluge Grotesken. Sie nutzt Märchen- und Mythenstoffe als Vorlage, aber immer haben ihre Texte einen gesellschaftspolitischen Hintergrund. Im Aufspüren menschlicher Absurditäten spart sie nicht mit Selbstironie und entwickelt erhellenden Sprachwitz.

    Ihre Stücke sind wahre Theatertexte, da die Autorin nicht nur das dramatische Handwerk bestens beherrscht, einen Erzählbogen spannen und Pointen setzen kann, sondern darüber hinaus der Regie sowie den Schauspieler/-innen im wahrsten Sinne des Wortes einen Spiel-Raum für szenische Fantasie und unterschiedliche Interpretationen lässt.

    Anlässlich einer Einladung zu den Mülheimer Theatertagen attestierte die Jurorin und Theaterkritikerin Christine Wahl ihr ein „innovatives Fortschreiben der dramatischen Kanons“ und nannte sie eine Autorin, die unsere „Gesellschaft auf die Komödien-Spitze“ treibt.

  • Hintergrund

    Als erste Universität des deutschsprachigen Raumes richtet die Universität des Saarlandes seit dem Wintersemester 2011/12 gemeinsam mit dem Saarländischen Staatstheater, der Landeshauptstadt Saarbrücken und der VHS Regionalverband Saarbrücken jährlich die einzige Poetik-Dozentur nur für Dramatik aus.

    Ziel ist es, herausragende Bühnenautoren und Theatermachende der Gegenwart aus Deutschland, der Schweiz und Österreich nach Saarbrücken einzuladen, um in öffentlichen Vorträgen ihre Poetik, ihren Begriff von Drama und Theater zu formulieren und darüber zu reflektieren.

    Die Vorträge der ersten sieben Saarbrücker Poetikdozenturen für Dramatik liegen bereits gedruckt vor: Rimini Protokoll: „ABCD. Saarbrücker Poetikvorlesungen“ (2012), Roland Schimmelpfennig: „Ja und Nein“ (2014), Kathrin Röggla: „Die falsche Frage“ (2015; alle: Theater der Zeit, Berlin), Albert Ostermaier: „Von der Rolle. Über die Dramatik des Verzettelns“ (2016), She She Pop: „Sich fremd werden. Beiträge zu einer Poetik der Performance“ (2018), Falk Richter: „Disconnected. Tanz Theater Politik“ (2018), sowie Milo Rau: Das geschichtliche Gefühl. Wege zu einem globalen Realismus“ (2019; alle: Alexander Verlag, Berlin).

    Mehr unter: www.poetikdozentur-dramatik.de