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Saarbrücken setzt auf fair gehandelte Grabsteine

Freitag, 25. März 2011

Grabsteine und Grabsteineinfassungen aus Kinderarbeit sind zukünftig auf Saarbrücker Friedhöfen nicht mehr zugelassen, das hat der Stadtrat der Landeshauptstadt in seiner Sitzung am Dienstag, 22. März, einstimmig beschlossen.

Die Friedhofssatzung soll jetzt um eine entsprechende Passage ergänzt werden. Mit dieser Entscheidung nimmt die Landeshauptstadt eine bundesweite Vorreiterrolle im Kampf gegen Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit auf Friedhöfen ein.

Harald Schindel ist als Dezernent für Bürgerdienste, Sicherheit, Soziales und Sport auch zuständig für den Friedhofs- und Bestattungsbetrieb. Für Schindel ist die aktuelle Entscheidung ein Schritt, um den Gedanken des fairen Handels in Stadt und Stadtverwaltung weiter zu verbreiten. Die Stadtverwaltung habe bereits seit 2008 ihre Vergabegrundsätze geändert. Demnach dürfen keine Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit mehr beschafft werden und es gebe fast keine städtische Veranstaltung ohne Fairtrade-Produkte mehr. „Wir wollen 2011 die deutsche ‚Hauptstadt des fairen Handels’ werden und mit der Vorreiterrolle im Friedhofsbereich setzen wir auch in diesem Bereich Maßstäbe für kommunales Handeln“, so Schindel.

Für den Leiter des Friedhofsbetriebs, Uwe Kunzler, stellt die kommende Satzungsänderung eine wichtige Weichenstellung dar, die aber nur zusammen mit Aufklärungsarbeit und Einsicht der Käufer zu einer nachhaltigen Verbesserung führen wird. Dem Stadtratsbeschluss ging eine Anhörung im Friedhofsausschuss zu dem Thema voraus, bei dem die Fairtrade-Aktivisten über die Missstände informierten. Dort hatte auch die Steinmetzinnung ihre grundsätzliche Zustimmung zu der Änderung signalisiert.

Der faire Handel beschäftigt sich mit der Produktion von Grabsteinen, da viele Konsumenten und Kommunen unbewusst Natursteine einkaufen, die von Kindern in Steinbrüchen geschlagen wurden. Mittlerweile stammt ein großer Teil der in Deutschland verkauften Grab- und Natursteine aus Indien. Als erstes Bundesland hat das Saarland bereits 2009 den Friedhofsträgern die Möglichkeit eröffnet, Grabsteine und Grabeinfassungen ohne ausbeuterische Kinderarbeit auf Friedhöfen zu fordern.

Das Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland e.V. (NES) begrüßt die Initiative des Saarbrücker Stadtrates und hofft auf Nachahmungseffekte in weiteren Kommunen im Saarland. Um diesen Prozess zu unterstützen, plant das NES mit weiteren Kooperationspartnern saarlandweite Informationsveranstaltungen. Außerdem werden Workshops zum Einkauf unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Mindeststandards vorbereitet. Interessierte Kommunen und Initiativen können sich für gemeinsame Veranstaltungen zu Grabsteinen ohne ausbeuterische Kinderarbeit und der Beschaffung unter Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Mindeststandards an Harald Kreutzer vom NES wenden.

Hintergrund:

Ein Arbeitstag im Steinbruch hat laut einer Studie von terre des hommes in der Regel zwölf Stunden. Für einen Akkordlohn setzen die Arbeiterinnen und Arbeiter ihre Gesundheit und bisweilen auch ihr Leben aufs Spiel. Meist arbeitet die ganze Familie im Steinbruch: Eltern wie Kinder. Der Teufelskreis der Armut schließt sich, wenn Kinderarbeiter nicht oder nicht regelmäßig zur Schule gehen können. Die körperlich anstrengende Arbeit der Kinder führt zu einer verkürzten Lebenserwartung von 35 bis 40 Jahren.  

Zertifizierte Natursteine ohne Kinderarbeit werden in den Produktionsländern durch unabhängige Organisationen überwacht. Andere Selbstverpflichtungen und Zertifikate von Exporteuren sind von Fall zu Fall kritisch zu hinterfragen. Über angebliche Zertifikate der UNICEF oder UNESCO wurde von Exporteuren bereits in der Vergangenheit versucht, die  Kinderarbeitsfreiheit von Produkten zu dokumentieren. Weder UNICEF noch UNESCO zertifizieren Natursteine!

Weitere Informationen: Harald Kreutzer, Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland e.V., Tel. (0681) 938 5235, E-Mail: harald.kreutzer@nes-web.de, Internet www.nes-web.de.