Gleichstellungsthemen

Die Themenpalette reicht von Erwerbsarbeit über Gesundheit bis politische Repräsentanz von Frauen

Erwerbsarbeit

Frauenerwerbsarbeit

Frauenerwerbsarbeit

Erwerbstätig zu sein ist für die meisten Frauen aus Existenzsicherungs- und Identitätsgründen mittlerweile ebenso unverzichtbar wie sich um eine Familie zu kümmern.

Wie gestalten sich aber die Chancen von Frauen auf dem Arbeitsmarkt im Saarland?

Das Saarland ist eine Montanregion mit traditionellen Schwerpunkten im Bergbau und der Stahlindustrie, die sich mehr und mehr zur Dienstleistungsbranche hinwendet. Die Erwerbsquote (Erwerbstätige und Erwerbslose) von Frauen war hierzulande aufgrund der Wirtschaftsstruktur immer schon niedriger als im Bundesdurchschnitt. Sie lag zuletzt, im Jahr 2007, bei 63,7 Prozent, im Bundesdurchschnitt war die Erwerbsquote der Frauen 4 Prozent höher. Die Saarländerinnen holen aber langsam auf. Allerdings gehen die Beschäftigungsgewinne oft nur auf die Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitarbeitsverhältnisse und der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse zurück. Die Zahl der vollzeitbeschäftigten Frauen ist dahingegen seit 1990 um 6.000 gesunken, sodass inzwischen mehr als die Hälfte der Frauen im Saarland in Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind, die nicht dem klassischen Normalarbeitsverhältnis entsprechen. In Zahlen (Quelle: Arbeitskammer des Saarlandes) ausgedrückt ergibt sich folgendes Bild: Im Juli 2008 waren im Saarland 198.000 Arbeitnehmerinnen beschäftigt, davon 97.800 sozialversicherungspflichtig in Vollzeit, 49.600 sozialversicherungspflichtig in Teilzeit und 50.300 ausschließlich geringfügig. Die Zahlen zeigen die eindeutige Tendenz, Frauen wieder verstärkt in die Zuerwerbsrolle zu drängen.

So erklärt es sich auch, dass Frauen im Saarland deutlich weniger verdienen als die Frauen aller anderen Bundesländer und als Männer. Der Bruttojahresverdienst der vollzeitarbeitenden Frauen liegt mit 31.580,- € (2006) am letzten Platz der Bundesländer quer durch alle Branchen. (Bundesweit herrscht ebenfalls eine riesige Kluft zwischen den Frauen- und Männerverdiensten: 2009 verdienen Frauen in Deutschland immer noch 26 Prozent weniger als Männer. Der EU-Durchschnitt liegt nur bei 15 Prozent). Und noch eine Zahl ist erschreckend: 36,3 Prozent aller ganzjährig vollzeitbeschäftigten Frauen im Saarland lagen mit ihrem Bruttojahresgehalt unterhalb der Niedriglohnschwelle, bei den Männern waren es nur 9,3 Prozent. Bezogen auf die Gruppe der vollzeitbeschäftigten NiedriglohnempfängerInnen sind im Saarland zwei Drittel Frauen.

Und bislang war die Rede noch nicht von den Teilzeitbeschäftigten. Von ihnen ist aus bundesweiten Untersuchungen bekannt, dass sie noch weit häufiger für Niedriglöhne arbeiten und bei den Mini-Jobs (70 Prozent Frauen) sind Niedriglöhne auch die Regel. Die ökonomische Situation ist also alles andere als rosig, im Gegenteil: Sie verschlechtert sich sogar.

Dabei sind Frauen im Saarland nicht schlechter qualifiziert als im Bundesdurchschnitt, allerdings ist die AkademikerInnenquote im Saarland nach wie vor niedriger als im Bund, was sich dann auch bei den Frauen zeigt.

Frauen in Führung

Führungspositionen

Frauen in Führung

Der Anteil von Frauen in Führungspositionen hat sich in den letzten Jahren stetig erhöht. Allerdings ausgehend von einem sehr niedrigen Ausgangswert, und im Vergleich zu männlichen Führungskräften ist die Zahl immer noch niedrig. Die Quote hängt stark von der Betriebsgröße, der Branche und davon ab, ob es sich um die Privatwirtschaft oder den öffentlicher Dienst handelt.

Laut IAB-Führungskräftestudie (Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung) sind Frauen in Betrieben der Privatwirtschaft auf der ersten Führungsebene mit durchschnittlich einem Viertel (24 Prozent) vertreten, nicht annähernd so stark wie es ihrem Anteil an den Beschäftigten entsprechen würde. Häufig sind diese weiblichen Führungskräfte in klein- und mittelständischen Unternehmen beschäftigt, während ihr Anteil in den Großbetrieben auf unter 5 Prozent sinkt.

Die Spitzenpositionen in großen Unternehmen sind laut Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin fest in der Hand von Männern.
So finden sich in den Aufsichtsräten der 200 größten Unternehmen in Deutschland (Top 200) im Jahr 2007 nur 7,8 Prozent Frauen. Der Anteil der Unternehmen ohne eine Frau im Aufsichtsrat liegt laut DIW Berlin bei über einem Drittel. Bei den Vorstandsposten sind Frauen noch schwächer vertreten. So ist in den 100 größten Unternehmen (Top 100) nur eine Frau im Vorstand. Bei den Top 200 sind es elf, was einem Anteil von circa einem Prozent entspricht. Bei den DAX-Unternehmen gibt es keine Frauen im Vorstand. Von Gleichstellung der Geschlechter kann also keine Rede sein.

Vereinbarkeit Familie und Beruf

Vereinbarkeit Familie und Beruf

Frauenbüro, Datenreport

Aufgrund von Elternzeit, die im Falle der Geburt eines Kindes hauptsächlich von Frauen genommen wird, steigen viele Frauen aus dem Beruf aus. Auch wenn die Unterbrechungszeiten kürzer werden, haben Frauen in vielen Fällen Probleme beim Wiedereinstieg in ihren Beruf. Ihr alter Arbeitsplatz ist vergeben, ihre Kompetenzen werden beschnitten. Um die nicht ausreichenden öffentlichen Betreuungsmöglichkeiten für Kleinstkinder aufzufangen, begeben sich viele Frauen nach der Elternzeit in Teilzeit (43,5 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Deutschland arbeiteten 2005 Teilzeit, aber nur 7,8 Prozent der Männer) oder sie finden nur einen Mini-Job (70 Prozent Frauenanteil). Die Folge sind niedrige Einkommen und später niedrige Renten. Eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist also Kernstück einer chancengleichen Teilhabe von Männern und Frauen am Arbeitsmarkt. Sowohl im Interesse der einzelnen Frau als auch gesamtgesellschaftlich ist eine Modernisierung des Frauen- und Familienbildes wichtig. Die dringend notwendigen Erleichterungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf müssen sich an Männer und Frauen gleichermaßen wenden. Eine Infrastruktur mit qualitativ hochwertigen Ganztagsbetreuungsmöglichkeiten und Ganztagsschulen bietet dafür eine Grundlage.

Das Frauenbüro setzt sich in unterschiedlichster Form und auf verschiedenen Ebenen für die Modernisierung des Frauenbildes in der Gesellschaft ein.

Rente

Ältere Frauen

Seniorin

Altersarmut ist weiblich, wie die Statistiken bestätigen.
Es trifft v.a. alleinerziehende und geschiedene Frauen. Ob Kindererziehung, Berufspause, Teilzeitarbeit oder Pflege von Angehörigen: Frauen haben in ihrem Leben viele Situationen, die sich von denen der Männer unterscheiden – und die sich auf ihre Renten auswirken. Frauen beziehen im Durchschnitt 61 Prozent der Rente der  Männer. Die Hälfte der Frauenrenten liegt aber sogar unter der Grundsicherungsgrenze. Nur durch den Verweis auf die Einstandspflicht der Ehe/Partnerschaft, das heißt durch die Anrechnung des sogenannten Haushaltseinkommens gelten Frauen als weniger arm. Die Zahlen der aktuellen Studie „Altersvorsorge in Deutschland AVID“ belegen zwar einen leichten Anstieg der durchschnittlichen Rentenhöhe für Frauen. Diese bewegen sich aber immer noch auf niedrigem Niveau. Dabei gibt es außerdem starke regionale sowie erwerbsverlaufs- und berufsbedingte Unterschiede. Die Zahl der „armen Alten“ wird in den nächsten Jahren noch steigen.

Politische Repräsentanz von Frauen

Bundestag

Bundestag

- Der durchschnittliche Frauenanteil in den Länderparlamenten, im Bundestag und bei den deutschen Abgeordneten des Europäischen Parlaments beträgt jeweils etwas mehr als 30 Prozent.

- Frauen finden sich stärker in den Bereichen soziale Gerechtigkeit, Bildung und Umwelt, Männer stärker in der Wirtschafts- sowie Außen- und Sicherheitspolitik.

- Frauen sind auch am bürgerschaftlichen Engagement seltener als Männer beteiligt. Zu den freiwillig Engagierten werden 2004 32 Prozent der Frauen und 39 Prozent der Männer gerechnet. Nur knapp 10 Prozent der türkischstämmigen Bevölkerungsgruppe haben Teil an bürgerschaftlichem Engagement. Bei den Türkinnen trifft dies sogar nur auf 7 Prozent zu.

- Ursachen für die größere Distanz von Frauen gegenüber Politik und Ehrenamt sind einerseits in den männlich geprägten Themenschwerpunkten, Hierarchien und Kulturen von vielen Großorganisationen und Vereinen zu sehen. Andererseits beeinträchtigt auch die Arbeitsteilung in der Familie die zeitlichen Spielräume für Frauen, sich gesellschaftlich oder politisch in einem größeren zeitlichen Umfang zu engagieren. Zudem ist die Aussicht auf ein politisches Mandat meist auch von männlich dominierten Netzwerken abhängig.

- Vor allem in der Kommunalpolitik sind die Erfahrungen, Sichtweisen und Kompetenzen aller gefragt. Doch Frauen haben nur rund ein Viertel der kommunalpolitischen Mandate inne. Noch immer gibt es Stadt- und Gemeinderäte, in denen keine Frau vertreten ist. Und nur rund 5 Prozent der hauptamtlichen und ehrenamtlichen Bürgermeister sind weiblich (Quelle: Gender-Datenreport der Bundesregierung (11/2005)

Das Frauenbüro beschäftigte sich im Superwahljahr 2009 im Saarland mit dem Schwerpunkt Wahlen. Beim Internationalen Frauentag 2009 sowie darüber hinaus wurden Polit-Talks mit PolitikerInnen durchgeführt, die über ihre Vorstellungen zu Frauen- und Genderpolitik Auskunft geben. Entsprechende Resolutionen waren auch Beratungsgegenstand im Stadtrat.

Gesundheit

Frauengesundheit

Gesundheit

Erst in den letzten Jahren findet das Thema Geschlechterunterschiede in Gesundheit und Krankheit Beachtung in der Medizin und Gesundheitsberichterstattung.
Die Unterschiedlichkeit bezieht sich laut der neusten Untersuchungen auf biologische Gegebenheiten, aber insbesondere auch auf die aus den Geschlechterrollen resultierenden Verhaltensweisen von Frauen und Männern im Umgang mit Gesundheit und Krankheit.

Einige Beispiele:

- Bis zu zwei Drittel der Beruhigungs- und Schlafmittel, Antidepressiva und Neuroleptika werden  Frauen verschrieben und dieser Anteil steigt noch mit dem Alter.

- Bei gleichen Beschwerden erhalten Frauen eher psycho-somatische, Männer hingegen organische Diagnosen.

- Junge Männer zwischen 20 und 34 Jahren weisen eine dreifach erhöhte Sterblichkeit aufgrund von Verkehrsunfällen, Suizid und Drogenabhängigkeit auf.

Ein zukunftsweisender Gesundheitsbegriff differenziert Frauen und Männer hinsichtlich der Ursachen, der Symptomatik, der Bewältigungsstrategien von Gesundheit und Krankheit sowie hinsichtlich ihrer Ressourcen, Bedürfnisse und Interessen.

Das Frauenbüro der Landeshauptstadt Saarbrücken arbeitet zusammen mit der Landesarbeitsgemeinschaft Kommunale Frauenbeauftragte im Saarland federführend an der Einrichtung eines saarlandweiten Runden Tisches „Frauengesundheit“, um eine geschlechtersensible Gesundheitsförderung zu forcieren.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen

Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen

Die erste bundesdeutsche Repräsentativuntersuchung zu Gewalt gegen Frauen hat ergeben, dass 40 Prozent der in Deutschland lebenden Frauen in ihrem Erwachsenenleben körperliche oder sexuelle Gewalt oder beides erlebt haben. Bei den Tätern handelt es sich überwiegend – aber nicht ausschließlich – um männliche Partner oder Expartner.

Laut Weltgesundheitsorganisation ist Gewalt gegen Frauen und Mädchen die am weitesten verbreitete Menschenrechtsverletzung und eines der größten Gesundheitsrisiken von Frauen weltweit. Sie reicht von der sexualisierten Darstellung von Frauen in Werbung und Medien, über häusliche Gewalt und Vergewaltigung bis hin zum organisierten Verbrechen Frauenhandel.

Die Landes- und Kommunalpolitik muss sich daran messen lassen, was sie für den Schutz von Frauen und Mädchen tut.

Das Frauenbüro setzt sich dafür ein, dass für den Ausbau der Interventionsstelle für Opfer häuslicher Gewalt im Saarland, die Beratungsstelle für Migrantinnen und Therapie Interkulturell mehr Mittel bereitgestellt werden und Präventionsprojekte an Schulen, die Mädchen und Jungen den gewaltfreien Umgang vermitteln, gefördert werden. Außerdem sollen Land und Kommunen sich verpflichten, sexistische Werbung zu verhindern und mehr Mittel für Täterarbeit bereitstellen, ohne die Mittel der öffentlichen Beratungsangebote für Frauen zu kürzen.