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Baukultur in der Praxis - Die modernen 50er in der Eisenbahnstraße

Der Charme und die Identität von Stadtteilen und Quartieren liegt häufig in gewachsenen Straßenzügen mit einer Prägung, die teilweise nicht mehr erkennbar ist.

Zielsetzung und Akteure

Das Forschungsvorhaben hat zum Ziel, das Bewusstsein für Baukultur auf kommunaler Ebene durch gute Beispiele zu stärken und praxistaugliche Ansätze zur Sicherung unseres baukulturellen Erbes aufzuzeigen. Ziel des hiesigen Modellvorhabens ist es, die gestalterischen Qualitäten der 50er Jahre Gebäude herauszuarbeiten und erforderliche qualitätsvolle Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten in der Eisenbahnstraße zu unterstützen.

Die Stadt Saarbrücken koordiniert das Projekt und wird es gestalterisch beratend begleiten. Unsere Kooperationspartner werden im Projekt beratend zum Thema Finanzierung, Förderung und energetische Sanierung zur Seite stehen.

Warum die Eisenbahnstraße?

Öffentlicher Raum in der LHS

Umgestaltung des öffentlichen Raumes durch die Landeshauptstadt Saarbrücken

Die Eisenbahnstraße vereint in ihrer Gesamtheit viele Facetten im Herzen des Stadtteils Alt-Saarbrücken. Sowohl in der Nutzung, im Charakter und im Erscheinungsbild kann sie übertragbare Lösungen für den Stadtteil und die Gesamtstadt liefern. Ein wesentliches städtebauliches 50er Jahre Element sind die Kolonnaden beidseitig der Straße. Diese sind in einem innerstädtischen System angelegt und bieten eine große Chance für die zukunftsfähige Entwicklung der Geschäftsstraße.

Zudem wird die Eisenbahnstraße im Rahmen des Großprojektes Stadtmitte am Fluss umgebaut.

50er-Jahre Ensemble Eisenbahnstraße - Charakteristika

Kolonnaden in den 50er Jahren

Kolonnaden in den 50er Jahren

Die Kolonnaden in der erdgeschossigen Geschäftszone bilden ein wesentliches Merkmal der 50er-Jahre-Architektur in der Eisenbahnstraße. Sie sind das übergreifende städtebauliche Element, das der Eisenbahnstraße ihren ensemblehaften Charakter verschafft und die Straße prägt. Deshalb ist es bei der kommenden Sanierung wichtig, darauf zu achten, dass dieser Standortvorteil des Ensembles gestärkt und herausgearbeitet wird.

Auch das elegante und schlichte Erscheinungsbild der Gebäude mit ihren auskragenden Dächern, den Fassaden mit filigranen Rahmen und Stützen, Balkonen und ausgeprägten Details gilt es zu entdecken und zu bewahren.

Förderung und Finanzierung

Die Sparkasse Saarbrücken als Kooperationspartner hat ein eigenes Kreditprogramm „Die Modernen 50er“ parallel zum Forschungsprojekt aufgelegt und kann umfassend zu Finanzierungswünschen bei Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen beraten. Mit dem Partner SIKB können die staatlichen Fördergelder wie KfW-Kredite auf kurzem Weg in Finanzierungsmodelle eingebunden werden.

Die energetische Beratung kann über die Verbraucherzentrale, das Saar-Lor-Lux Umwelt Zentrum und das Institut für Zukunftsenergie-Systeme erfolgen.

Gut erhaltenes 50er Jahre Gebäude-Ensemble. Im Vordergrund die Eisenbahnstraße Nr. 23

Gut erhaltenes 50er Jahre Gebäude-Ensemble. Im Vordergrund die Eisenbahnstraße Nr. 23

Videotrailer zur Auftaktveranstaltung

Eindrücke der Auftaktveranstaltung "Architektur der Nachkriegszeit"

Hässlich oder schön, aber wertvoll? Nicht nur der Krieg hat gewachsene und historisch wertvolle Bausubstanz zerstört, sondern auch die Nachkriegszeit mit dem Ideal der verkehrsgerechten, aufgelockerten Stadt.

Aber diese Zeit hat auch Bauten hinterlassen, die ein wertvolles Zeugnis ihrer selbst sind, teils wiederum von der Zerstörung bedroht und selten als schutzwürdig empfunden. Spurensuche, Erfahrungsschatz und Haltungen wurden, moderiert durch Barbara Renno und mit Zeitzeugen, Modernisierern und Urbanisten in einer lebhaften Form diskutiert.

Eindrücke der Veranstaltung "Identitäten entdecken, bewahren und weiterentwickeln"

Vorgestellt wurde ein Werkbericht vom Berliner Architekturbüro "Winfried Brenne Architekten". Darin wurden anhand konkreter Beispiele wie zum Beispiel Hansaviertel, Wohnungsbau und an verschiedene Kulturbauten, Strategien und Konzepte für eine zukunftsfähige und nachhaltige Sanierung von bedeutenden Bauwerken der Moderne gezeigt und erläutert.

Von Dr. Stefan Krämer (Ressortleiter Wissenschaft und Forschung der Wüstenrot Stiftung)  wurde anhand dieser Beispiele eine Diskussion über das Thema „Baukultur in der Praxis“ eingeleitet und aus Sicht zahlreicher Stiftungsprojekte ergänzt.

Die Baudezernentin der Landeshauptstadt Saarbrücken, Dr. Rena Wandel- Hoefer, thematisierte die Stadtentwicklung und Weiterentwicklung des Bestandes der Nachkriegszeit.

Erhaltenswerte Bausubstanz erkennen, bewahren und weiterentwickeln

In einer gemeinsamen Veranstaltung für Handwerker, Architekten und Eigentümer wurde am Beispiel der Sanierung der Staatskanzlei aufgezeigt, wie behutsame Modernisierungsmaßnahmen unter Beibehaltung der gestaltwirksamen Merkmale umgesetzt werden können.

Basierend auf Farbuntersuchungen wurde neben dem Farbkanon der 50er Jahre auch der Gestaltungs- und Sanierungsleitfaden der Landeshauptstadt Saarbrücken erstmalig vorgestellt und ausgehändigt. Der Leitfaden „Die Modernen 50er“ benennt die möglichen bauphysikalischen oder baukonstruktiven Probleme der „besonders erhaltenswerten Bausubstanz“, die bei 50er-Jahre-Fassaden auftreten können. Er beschreibt Lösungsansätze in Modulen und entwickelt Perspektiven, wie die Bauten möglichst in ihrer originalen Substanz und im ursprünglichen Erscheinungsbild erhalten werden können.

Darüber hinaus zeigt der Leitfaden auf, wie diese modulare Sanierung in das erweiterte Bundesförderprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für Gebäude „mit besonders erhaltenswerter Bausubstanz“ aufgenommen werden kann und gibt damit Anreize für nachhaltiges Bauen und gleichzeitigen Erhalt des baukulturellen Erbes. Er soll Bauherren und interessierte Laien in die Lage versetzen, den besonderen Charakter und Wert ihres Gebäudes besser zu erkennen.

Eindrücke der Abschlussveranstaltung

Baukultur in der Praxis

Exwost Logo

Modellvorhaben im Rahmen des ExWoSt-Forschungsfeldes „Baukultur in der Praxis". Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) ist ein Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), betreut vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)