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Gedenkstätte „Gestapo-Lager Neue Bremm“

An der Neuen Bremm nutzte die Gestapo 1943 und 1944 ein Barackenlager als erweitertes Polizeigefängnis. Hier gibt es Infos über das Lager und die Gedenkstätte. 

Das Barackenlager Neue Bremm, fotografiert von der gegenüberliegenden Straßenseite, undatiert, circa 1942-1944

Das Barackenlager Neue Bremm, fotografiert von der gegenüberliegenden Straßenseite, undatiert, circa 1942-1944

Die im Saarbrücker Schloss residierende Gestapo-Leitstelle Saarbrücken nutzte wegen der Überfüllung der Gefängnisse von Anfang 1943 bis Ende 1944 ein Barackenlager auf der Neuen Bremm als erweitertes Polizeigefängnis.

Das mit Stacheldraht und Wachtürmen gesicherte Lagergelände, circa 150 mal 80 Meter groß, mit seinen im Karree angeordneten Gefangenenblocks, Funktionsgebäuden und Wachstuben und je einem in der Mitte des Männer- wie des Frauenlagers befindlichen Löschwasserbassin, lag an der stark frequentierten Straße ins französische Forbach. Das Männer- und das Ende 1943 errichtete Frauenlager waren durch den weiterhin öffentlich passierbaren Alstinger Weg getrennt.

In der Neuen Bremm wurden sogenannte Arbeitserziehungshäftlinge, politische Gefangene, Transporthäftlinge vor der „Verschubung“ in ein Konzentrationslager, „Nacht-und-Nebel-Häftlinge“, Kriegsgefangene, Sippenhäftlinge, aus „rassischen“ Gründen Verfolgte und auch „Volksgenossen“ mit kurzfristigen Disziplinierungs- und Erziehungsstrafen interniert, insgesamt 20.000 Menschen an der Zahl.

Nach neuesten Forschungsergebnissen lag die durchschnittliche Belegung des Lagers bei 600 bis 800 Gefangenen. Die Namen von 82 ermordeten Häftlingen sind bezeugt, die tatsächliche Zahl der Todesopfer dürfte aber beträchtlich höher gewesen sein.

Datenbank gibt seit 2002 Auskunft über Herkunft der Häftlinge

Der Löschwasserteich und das Gelände des Männerlagers, Herbst 1945

Der Löschwasserteich und das Gelände des Männerlagers, Herbst 1945

Eine seit 2002 im Hause der Landeszentrale für politische Bildung entwickelte und gepflegte Datenbank gibt Aufschlüsse darüber, dass Männer und Frauen aus vielen Teilen Europas im Lager Neue Bremm inhaftiert waren: Belgien, Bulgarien, Deutschland, England, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Polen, Sowjetunion, Spanien und der Tschechoslowakei.

Sie zeigt ebenso, in welche Konzentrationslager die Häftlinge aus der Neuen Bremm weiter deportiert wurden: Buchenwald, Dachau, Mauthausen, Natzweiler-Struthof, Ravensbrück, Sachsenhausen und andere.

Bei der Ankunft im Lager wurde den Gefangenen aller Besitz weggenommen. Fortan durften sie sich im Lager nur noch im Laufschritt bewegen. Um 5 Uhr morgens wurden die Häftlinge geweckt. Die Männer wurden mit Tritten und Schlägen aus den Baracken getrieben. Beim Morgen-Appell wurden Außenkommandos zusammengestellt, die das Lager verließen, um in der Stadt Zwangsarbeit zu leisten.

Die Nahrungsrationen der Gefangenen waren so gering, dass viele Häftlinge binnen weniger Wochen 30 bis 40 Kilo Gewicht verloren. Neben dem quälenden Hunger hatten aber auch die Folterexzesse eine mörderische Wirkung. Stundenlang mussten die Häftlinge im sogenannten „Entengang“, das heißt in der Hocke rund um den Löschteich laufen, die Arme waren dabei entweder vor dem Körper ausgestreckt, in die Luft gereckt oder im Nacken verschränkt.

Diese exzessive, ins Mörderische gesteigerte Schinderei bezeichneten die Aufseher höhnisch als „Lagersport“ und noch heute bedient sich mancher Zeitgenosse dieser euphemistischen Nomenklatur.

Der jeweiligen regionalen Gestapo-Leitstelle in völlig eigener Verfügungsgewalt unterstehend, bildeten die Erweiterten Polizeigefängnisse einen wichtigen und eigenständigen Bestandteil des Verfolgungs- und Repressionsapparates und entfalteten die volle Bandbreite des nationalsozialistischen Terrors.

Das Lager der Gestapo-Leitstelle Saarbrücken entwickelte sich zu einer zentralen Haftstätte im südwestdeutschen Raum. Durch die unmittelbare Nähe zur französischen Grenze wurde es darüber hinaus zum Knotenpunkt für Häftlingstransporte aus Lagern im besetzten Frankreich.

Zur Geschichte der Gedenkstätte

Zwei SOR („Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“)-Schüler vor Informationstafeln

Zwei SOR („Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“)-Schüler vor Informationstafeln

Am 11. November 1947 weihte der französische Militärgouverneur Gilbert Grandval die von dem französischen Architekten André Sive entworfene Gedenkstätte „Neue Bremm“ ein. Sie bestand aus zwei getrennten Arealen: dem des Männerlagergeländes und einem Areal mit einem trapezförmigen Platz für Gedenkfeiern. Blickpunkt aus mehreren Richtungen war eine 30 Meter hohe Stele, die in der Mitte der Metzer Straße auf einer Verkehrsinsel stand.

In der Folgezeit geriet die Gedenkstätte in Vergessenheit. Durch Verbreiterung und Verlegung der Metzer Straße wurde das Gelände erheblich verkleinert.

Das Gedenkmonument steht heute nur noch wie abgestellt am Straßenrand, der trapezförmige Gedenkplatz ist eliminiert, Gedenkstein, Fahnenstangen und Bodenplatten wurden auf dem Restgelände des Männergeländes verbracht und dort willkürlich neu zusammengestellt, auf dem Gelände des ehemaligen Frauenlagers steht seit Ende der 70er Jahre ein Hotel.

"Initiative neue Bremm"

Gestapo Lager Neue Bremm - Die Gedenkstätte von der Straßenseite

Gestapo Lager Neue Bremm - Die Gedenkstätte von der Straßenseite

Ende der 90er Jahre schlossen sich engagierte Bürgerinnen und Bürger zur „Initiative Neue Bremm“ zusammen und lobte am 13. Januar 2000 einen Wettbewerb zur Neugestaltung der Gedenkstätte aus.

Unter den 136 eingereichten Arbeiten wählte eine hochkarätig besetzte Jury unter Vorsitz des Berliner Architektur-Historikers Michael S. Cullen den Entwurf der Architekten Ballhausen und Poppensieker „Hotel der Erinnerung“ aus.

Dieser konfrontiert besonders den unvoreingenommen Besucher mit dem transitorischen Charakter des Ortes – heute Hotel, gestern Lager – als Durchgangsstation mit höchst unterschiedlichen Vorzeichen und ermöglicht auch eine Auseinandersetzung mit der Rezeptionsgeschichte des Lagers von 1945 bis heute, die symptomatisch ist für den Umgang der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft mit den Tätern und Opfern des Dritten Reiches.

Die Umsetzung der Neugestaltung wurde durch eine Finanzierung aus den Gedenkstättenmitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und von der Saarländischen Landesregierung und der Landeshauptstadt Saarbrücken möglich. Am 8. Mai 2004 wurde die neugestaltete Gedenkstätte offiziell der Öffentlichkeit übergeben.