Bahnhofstraße - 150 PLUS

Im Jahr 2014 hat das Stadtarchiv zum 150-jährigen Bestehen der Saarbrücker Bahnhofstraße eine viel besuchte Ausstellung veranstaltet. Wir bleiben an ihrer Geschichte dran!

Schaufenster des Lebens

Motiv aus "150 Jahre Bahnhofstraße"
Im Jahr 2014 hat das Stadtarchiv zum 150-jährigen Bestehen der Saarbrücker Bahnhofstraße eine viel besuchte Ausstellung im Hauberrisser Saal des Rathauses St. Johann präsentiert. Begleitet wurde die Ausstellung von der Publikation "Schaufenster des Lebens - 150 Jahre Bahnhofstraße Saarbrücken". Beide zeigen die wechselvolle und spannende Geschichte der größten Einkaufsmeile der Region anschaulich auf.
 
So wie die Bahnhofstraße ihr Gesicht im Verlauf ihrer 150-jährigen Geschichte stetig neuen Gegebenheiten angepasst hat, wird sie auch weiterhin in Bewegung bleiben und auch in Zukunft wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ansprüchen folgen. Wir bleiben dran an ihrer Geschichte!

Die Ausstellung erzählte von zahllosen gesellschaftlichen Ereignissen und Besonderheiten und von Befindlichkeiten der Nutzerinnen und Nutzer der Straße. Sie dokumentierte die jeweilige Zeit. Die Straße kann seit ihrer Entstehung als Schaufenster des städtischen Lebens betrachtet werden: In ihr spiegelt sich die „große“ ebenso wie die „kleine“ Geschichte unseres Landes. 

Begonnen hatte alles mit der Eröffnung des Bahnhofes im Jahr 1852, der zum Motor des industriellen Aufschwungs wurde. Die Stadt wuchs in nur wenigen Jahren auf den Bahnhof zu. 1864 war die neue Straße fast vollständig bebaut und erhielt ihren Namen.

Spiegel der Zeitgeschichte

Blick in die noch von Autos befahrene

Blick in die noch von Autos befahrene Bahnhofstraße im Jahr 1984 (Stadtarchiv Saarbrücken, Fotosammlung Hartmann)

Von diesem Zeitpunkt an spiegelt sich in ihr die Zeitgeschichte: das Zeitalter der Industrialisierung, charakterisiert durch die Entstehung der ersten Warenhäuser, das großstädtische Leben der Jahrhundertwende und der 1920er Jahre, in denen man das mondäne Leben genoss, zum Tanz oder Konzert in die legendären Cafés Kiefer, Windsor, Wittelsbach, Astoria, Metropole oder Atlantic ging, um nur einige zu nennen.

Blick in die autofreie Bahnhofstraße

Die Bahnhofstraße als provisorische Fußgängerzone im März 1994. (Stadtarchiv Saarbrücken, Fotosammlung Hartmann)

Nicht allein ihre Umbenennung in Adolf-Hitler-Straße deutet auf die traurige Zeit des Nationalsozialismus. In Folge der Arisierung veränderte sich die Geschäftswelt, denn zahlreiche beliebte Kaufhäuser hatten jüdische Besitzer.

Während des Krieges zerstört, erfährt sie anschließend ihren Wiederaufbau und symbolisiert in den 1950/60er Jahren sowohl das Zeitalter des Wirtschaftswunders als auch mit den Französischen Wochen das gelebte deutsch-französische Verhältnis. Aufmärsche, Demonstrationen, Karnevalsumzüge und Feste fanden und finden hier bis heute statt. 

Zahlreiche Fachgeschäfte in der Bahnhofstraße

Passagekaufhaus in den 1950er Jahren

Als die „Galeria Kaufhaus“ noch Passage Kaufhaus hieß. Die Bahnhofstraße in den 1950er Jahren. (Stadtarchiv Saarbrücken, NlM, unverzeichnet)

Seine Arznei holte man seit 1895 in der Viktoria-Apotheke, Bücher kaufte man bereits seit 1872 bei Bock und Seip, Bürobedarf seit 1898 bei Rudolf. Das Fotofachgeschäft hieß auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon Gressung, seinen „Volksempfänger“ erwarb man seit 1935 bei Ra-To-La oder Krüssmann.

Bereits seit 1889 bot Anne Kirchner neben feinen Seifen edle Parfüms an, das Hut- und Pelzhaus Korn ist bis heute ein Begriff und lebt in der Bezeichnung „Korns-Eck“ weiter, Uhren und Schmuck erwarb man bei Krämer oder Link.

Die Modeschauen bei Sinn sind legendär, der Slogan von Walter „Für die Damen, für den Herren, für das Kind“ klingt vielen Saarländern noch ihm Ohr. Tierfutter bekam man bei Zoo-Lieser, Gardinen bei Hess, Möbel bei River.

Kaffee kaufte man bei Wildberger, Feinkost bei Kröss, für das heimische Buffet ließ man sich die kalte Platten vom Passage-Kaufhaus liefern, Das Passage-Kaufhaus, heute Galeria Kaufhof, ist eines der ältesten und größten Kaufhäuser des Saarlandes.

All das Genannte zeigt die Vielfalt des Angebotes in der seit 150 Jahren beliebten Einkaufsmeile.

Zur Entstehung: Erzählcafé zur Bahnhofstraße im Jahr 2013

Bereits im vergangenen Jahr hat das Stadtarchiv Saarbrücker Bürgerinnen und Bürger bei Kaffee und Kuchen zum Erzählen rund um die Bahnhofstraße in seine Räumlichkeiten in die Deutschherrnstraße eingeladen.

Das Erinnern begann in den 1920er Jahren, als ein Mädchen im PEKA geboren wurde, betraf die Kindheit in der Bahnhofstraße, das Flanieren in der Rue, die aufwendigen Schaufensterdekorationen der 1950er und 1960er Jahre und endete mit der Schließung der ersten alt eingesessenen Geschäfte.

Die authentischen Erlebnisse und Geschichten geben einen sehr lebendigen Einblick in das Leben in und mit der Straße. Sie werden zurzeit aufgeschrieben und sollen einen wesentlichen Bestandteil der Ausstellung und des Buches bilden.