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125 Jahre Straßenbahn

Gleich auf zwei Jubiläen kann der öffentliche Nahverkehr in Saarbrücken zurück blicken: 1890 fuhr die erste Straßenbahn und 1892 gründete sich die Gesellschaft für Straßenbahnen im Saartal AG, heute Saarbahn GmbH.

Dampfbetriebene Straßenbahn im Jahr 1890

Im Jahr 1890 hatte St. Johann mit seiner dampfbetriebenen Straßenbahn nach Luisenthal die erste Linie im öffentlichen Nahverkehr in der Region geschaffen. Saarbrücken zog erst 1899 nach, hier fuhr die erste elektrisch betriebene Straßenbahn. Zum Zeitpunkt der Städtevereinigung 1909 umfasste das Schienennetz der Straßenbahn insgesamt 37,8 Kilometer. Jährlich wurden 10,3 Millionen Fahrgäste befördert.

Die Straßenbahnlinien wurden von privaten Gesellschaften betrieben, wie der 1892 gegründeten Gesellschaft für Straßenbahnen im Saartal AG. Sie erzielten in dieser Zeit bemerkenswert hohe Gewinne. Nach der Städtevereinigung erfolgte ein großzügiger Ausbau des Streckennetzes und bald nutzten über 20 Millionen Fahrgäste im Jahr die Straßenbahn auf ihrem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen.

Fahrpreiserhöhungen und erste Omnibusse

Seit den 1920er Jahren erschwerten dann die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen ein rentables Wirtschaften. Inflation und Streiks gingen auch an der Straßenbahn nicht spurlos vorüber. Die Einführung des 8-Stunden-Tages und eine Erhöhung des Stundenlohnes für die Straßenbahnfahrer sowie die Währungsumstellung auf den Franken machten Fahrpreiserhöhungen notwendig. So sank die Fahrgastzahl rapide und stieg erst kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wieder auf 20 Millionen. In diesen Jahren mussten zudem die neu entstandenen Wohngebiete an den öffentlichen Nahverkehr angebunden werden.

Die Idee eines neuen Transportmittels entstand und so wurden 1925 die ersten drei Omnibusse angeschafft. Akzeptanz erfuhr der Busverkehr allerdings erst durch das Anfahren der Randgebiete der Stadt wie Altenkessel, St. Ingbert oder Bliesransbach. Als selbstständige Omnibuslinien in der Stadt bestanden Verbindungen vom Hauptbahnhof zum Südfriedhof, zur Rußhütte, zur Hohen Wacht, zum Bürgerhospital auf dem Reppersberg, auf den Homburg oder den Rodenhof. Immer wieder wurde diskutierte, ob Busse oder Straßenbahnen wirtschaftlicher zu betreiben seien. 1930 dachte man das erste Mal über eine Tarifgemeinschaft von Bus und Bahn nach, um einheitliche Fahrpreise anbieten zu können.

Auto-Boom und letzte Straßenbahnfahrt

Durch die enormen Kosten für den Gleisbau und die Anpassung des Fahrzeugparks an moderne Bedürfnisse konnten die Einnahmen die Ausgaben für den Nahverkehr schließlich nicht mehr decken. 1958 wurden Fahrpreiserhöhungen von der Aufsichtsbehörde nicht genehmigt, so dass das Defizit im öffentlichen Nahverkehr ständig anstieg. Die Fahrpreise orientierten sich von nun an nicht mehr allein an marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten, sondern folgten vorwiegend sozialpolitischen Forderungen.

Zudem hatte die Rückkehr des Saarlandes zu Deutschland 1957 einen regelrechten automobilen Boom in Saarbrücken ausgelöst. Den Straßenbahnlinien konnten keine eigenen Fahrspuren mehr freigehalten werden und sie konnten nicht doppelgleisig ausgebaut werden. Dies wäre jedoch notwendig gewesen, um einen einigermaßen reibungslosen Verkehrsfluss zu gewährleisten. Die Straßen der Stadt waren zu eng, der Autoverkehr zu dicht, als dass Auto und Bahn nebeneinander ausreichend Platz gehabt hätten. Zudem war der Wagenpark überaltert. Seit Mitte der 1960er Jahre setzte man daher aus technischen wie aus betriebswirtschaftlichen Gründen - wollte der Öffentliche Nahverkehr, und damit das Funktionieren der Großstadt, eine Zukunft haben - allein auf den Omnibusverkehr. Und so fuhr am 22. Mai 1965 die letzte Straßenbahn durch Saarbrücken.

Erste Saarbahnfahrt im Jahr 1997

Um den öffentlichen Nahverkehr weiterhin attraktiv zu gestalten und damit für eine Akzeptanz in der Bevölkerung zu sorgen, brauchte die Stadt völlig neue Konzepte: 1971 erfolgte die Einrichtung erster Busspuren. Verlauf-Signale an den Ampeln sorgten für eine bevorzugte Abwicklung des Busverkehrs, die Busse erhielten für die Abfahrt von den Haltestellen Vorfahrtsrechte. 1974 wurden die ersten Gelenkbusse eingesetzt. Durch sie konnten gerade zu Stoßzeiten wesentlich mehr Fahrgäste befördert werden. Die Servicequalität wurde verbessert, Fahrkartenautomaten aufgestellt und attraktive Haltestellen geschaffen.

1986 stellten die „Saartal-Linien“ das „Saarbrücker Zukunftskonzept öffentlicher Personennahverkehr“ vor. Eine Trendumkehr – weg vom Auto hin zum Bus – wurde jetzt gefordert. Im Mittelpunkt der Überlegungen stand erstmals wieder ein schienengebundenes Nahverkehrssystem und so durchquert seit 1997 die Saarbahn die Stadt von Ost nach West und fährt inzwischen von Saargemünd bis Lebach. 

Ihre Erinnerungen sind gefragt!

Aus diesem Anlass bittet das Stadtarchiv Sie um Ihre Erinnerungen. Was haben Sie als ehemalige Fahrerinnen und Fahrer, als Schaffnerinnen und Schaffner, als Straßenbahnnutzerinnen und -nutzer, als Gleisarbeiter oder Verkehrspolizist, als Flaneur oder Parkplatzsuchender mit unserer Straßenbahn erlebt? Kennen Sie Geschichten rund um das einstige Verkehrsmittel, mit denen Sie Publikation und Ausstellung bereichern könnten? Ihre Erinnerungen sind uns ein bedeutsamer Teil der Geschichte der Straßenbahn und des Öffentlichen Nahverkehrs, ganz gleich ob es sich dabei um freudige oder traurige, kleine oder große Erlebnisse handelt, Ihre Erzählungen machen die Saarbrücker Geschichte persönlich. Sind Sie vielleicht mit der Straßenbahn oder dem Bus zur Schule gefahren oder zur Arbeit, gab es Verspätungen, Unfälle, Wintereinbrüche, interessante Begegnungen mit Mitreisenden? Haben Sie Erinnerungen an die "Rote Punkt Aktion"?

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