Kolumne der Oberbürgermeisterin
Kein fünftes Grundschuljahr (01. 09.2010)
Liebe Bürgerinnen und Bürger,
das von der Landesregierung geplante 5. Grundschuljahr wird derzeit heiß diskutiert. Ich bin der Meinung, liebe Leserinnen und Leser, wir sollten die Finger von einer weiteren Reform lassen, die die Träger der Schulen nur Geld kostet. Wollen wir unsere Schulen verbessern, müssen wir in unsere Kinder und Lehrer investieren, nicht in Beton. Sinnvoll wären beispielsweise zusätzliche Lehrerstunden am Nachmittag. Aber anstatt in die Betreuung zu investieren, wird in diesem Bereich gekürzt. So hat das Land jüngst die Mittel für zusätzliche Projekte an Ganztagsgrundschulen gestrichen. Allein den drei städtischen Freiwilligen Ganztagsgrundschulen fehlen 20.000 Euro für sinnvolle Kurse und Kooperationen mit Vereinen im Rahmen der Nachmittagsbetreuung. Sprachtraining, Theaterkurse, Sportangebote.
Grundschulreform würde Saarbrücken 14 Millionen Euro kosten
Nach einer ersten groben Kostenschätzung müssten wir auf der anderen Seite mindestens 14 Millionen Euro in den Ausbau unserer 29 Grundschulstandorte investieren, um das 5. Grundschuljahr umzusetzen. Ich gehe davon aus, dass auch auf die anderen Kommunen im Land durch die Schulreform immense Kosten zukommen. Legt man die in der Jamaika-Koalitionsvereinbarung festgelegte Reduzierung des Klassenteilers zugrunde und geht künftig von maximal 25 statt bisher 29 Schülern pro Klasse aus, müssen wird an den Grundschulen in der Landeshauptstadt 90 neue Klassenräume schaffen. Das würde uns – knapp kalkuliert – 10,7 Millionen Euro kosten. Da durch die erhöhte Schülerzahl automatisch auch der Bedarf an Nachmittagsbetreuungsplätzen steigen würde, müssten wir zusätzlich 29 Gruppenräume schaffen. Hierfür kämen nochmals 3,4 Millionen Euro hinzu. Die notwendige Anpassung der sonstigen Infrastruktur ist in dieser Rechnung noch nicht einmal berücksichtigt.
Reform gefährdet gewachsene Strukturen
Wir haben gute Schulen in Saarbrücken, bauen unser Betreuungsangebot quantitativ und qualitativ seit Jahren trotz knapper Kassen Schritt um Schritt aus. Zu Beginn dieses Schuljahres konnten wir beispielsweise die Grundschulen Max-Ophüls und Herrensohr-Jägersfreude zu Ganztagsgrundschulen ausbauen. Alleine in diesen Ausbau sind rund eine Millionen Euro geflossen. Die pädagogischen und räumlichen Konzepte sind auf vier Grundschuljahre ausgerichtet. Eine weitere Reform, deren Sinnhaftigkeit in Fachkreisen sehr stark angezweifelt wird, würde gewachsene und funktionierende Strukturen nur in Gefahr bringen.
Schule müssen endlich zur Ruhe kommen
Die Raumkapazität an unseren Schulen ist erschöpft. Nach der zurückliegenden Grundschulstrukturreform wurden Standorte zusammengelegt. An den verbliebenen Schulen mussten Raumreserven ausgeschöpft werden. Zusätzlich haben wir im Rahmen des ‚Investitionsprogramms Zukunft Bildung und Betreuung’ an 22 der 29 Saarbrücker Grundschulen Räume für die Nachmittagsbetreuung eingerichtet. Dann kam die Schulbuchausleihe, für die in jeder Schule wieder ein Raum bereit gestellt werden musste. Es reicht!
Lassen wir unsere Schulen nun endlich zur Ruhe kommen und die Pädagogen tun, wofür sie da sind: unsere Kinder ausbilden!
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