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Bildung: Diskussion um fünftes Grundschuljahr – OB Britz: „In Köpfe investieren, nicht in Beton!“

Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz fordert einen Stopp des 5. Grundschuljahres.

„Nach einer ersten groben Kostenschätzung müssten wir mindestens 14 Millionen Euro in den Ausbau unserer 29 Grundschulstandorte investieren, um das 5. Grundschuljahr umzusetzen“, sagt Britz. Die Oberbürgermeisterin gehe davon aus, dass auch auf die anderen Kommunen im Land durch die Schulreform „immense Kosten“ zukommen.

Legt man die in der Jamaika-Koalitionsvereinbarung festgelegte Reduzierung des Klassenteilers zugrunde und gehe künftig von maximal 25 statt bisher 29 Schülern pro Klasse aus, müssten an den Grundschulen in der Landeshauptstadt 90 neue Klassenräume geschaffen werden. „Das würde uns – knapp kalkuliert – 10,7 Millionen Euro kosten“, erklärt Britz. Da durch die erhöhte Schülerzahl automatisch auch der Bedarf an Nachmittagsbetreuungsplätzen steigen würde, müsste die Verwaltung zusätzlich 29 Gruppenräume schaffen. „Hiefür kämen nochmals 3,4 Millionen Euro hinzu“, sagt die Verwaltungschefin. Die notwendige Anpassung der sonstigen Infrastruktur (Toiletten etc.) sei in dieser Rechnung noch nicht einmal berücksichtigt.

„Wir haben gute Schulen in Saarbrücken, erweitern unser Betreuungsangebot quantitativ und qualitativ seit Jahren trotz knapper Kassen Schritt um Schritt. Zu Beginn dieses Schuljahres konnten wir beispielsweise die Grundschulen Max-Ophüls und Herrensohr-Jägersfreude zu Ganztagsgrundschulen ausbauen“, erklärt die Oberbürgermeisterin. Alleine in diesen Ausbau seien rund eine Million Euro geflossen. Die pädagogischen und räumlichen Konzepte seien auf vier Grundschuljahre ausgerichtet. Eine weitere Reform, deren Sinnhaftigkeit in Fachkreisen sehr stark angezweifelt wird, würde gewachsene und funktionierende Strukturen nur in Gefahr bringen. Britz: „Wir können unsere Schulen weiter verbessern. Dafür müssen wir aber in Köpfe investieren, nicht in Beton!“ Sinnvoll seien beispielsweise zusätzliche Lehrerstunden am Nachmittag. Aber anstatt in die Betreuung zu investieren, werde in diesem Bereich gekürzt.

Das Land habe gerade erst die Mittel für zusätzliche Projekte an Ganztagsgrundschulen gestrichen. Britz: „Allein den drei städtischen Freiwilligen Ganztagsgrundschulen fehlen rund 20.000 Euro für sinnvolle Kurse und Kooperationen mit Vereinen im Rahmen der Nachmittagsbetreuung. Sprachtraining, Theaterkurse, Sportangebote: Alle diese Angebote fallen mit der Einsparung durch das Land weg.“

Britz: „Die Raumkapazität an unseren Schulen ist erschöpft, wir sind auf vier Schuljahre ausgelegt. Nach der zurückliegenden Grundschulstrukturreform wurden Standorte zusammengelegt. An den verbliebenen Schulen mussten Raumreserven ausgeschöpft werden. Zusätzlich haben wir im Rahmen des ‚Investitionsprogramms Zukunft Bildung und Betreuung’ an 22 der 29 Saarbrücker Grundschulen Räume für die Nachmittagsbetreuung eingerichtet. Dann kam die Schulbuchausleihe, für die in jeder Schule wieder ein Raum bereit gestellt werden musste.“

Das Argument, durch schrumpfende Schülerzahlen aufgrund des demografischen Wandels werde das Raumproblem gelöst, könne Britz für Saarbrücken nicht gelten lassen. „Unsere Prognosen zeigen: Kommt das 5. Grundschuljahr werden wir im Jahr 2020 mit 6020 Kindern 800 mehr als heute in unseren Grundschulen zählen“, so Britz.

30.08.2010

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