Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt in Saarbrücken ersten „Stolperstein“
Nazis selektieren sie sofort, noch am gleichen Tag wird Paula Loeb ermordet – gemeinsam mit ihrer Mutter Emilie Kaiser, 69 Jahre alt.
Der letzte frei gewählte Wohnort der Paula Loeb lag am Platz der deutschen Front – dem jetzigen Rathausplatz, im Haus mit der Nummer 7. Seit dem heutigen Mittwoch, 10. März, 9 Uhr, erinnert vor diesem Haus eine 10 mal 10 Zentimeter große Messingplatte – ein so genannter „Stolperstein“ – an das Schicksal Paula Loebs. Es ist einer von 28 Gedenksteinen, die der Kölner Künstler Gunter Demnig an diesem 10. März in die Gehwege vor Saarbrücker Grundstücken und Häusern einlassen wird. Jede der Messingtafeln erinnert an ein Opfer der nationalsozialistischen Barbarei im Stadtteil St. Johann. Die Gedenksteine liegen vor dem jeweils letzten frei gewählten Wohnsitz der Ermordeten.
Mit seinem Projekt „Stolpersteine“ hat Gunter Demnig inzwischen ein dezentrales, europaweites Mahnmal geschaffen, das an die Millionen Opfer des Hitler-Regimes erinnert.
23 000 Stolpersteine gegen das Vergessen hat er inzwischen in 543 deutschen und 39 europäischen Städten verlegt. Jeder einzelne erinnert an ein schreckliches Schicksal.
Auf Initiative von Richard Bermann, Vorsitzender der Synagogengemeinde, hatte sich Demnig bereit erklärt, auch in Saarbrücken seine „Stolpersteine“ zu verlegen. Zu der Projektidee des Kölner Künstlers zählt dabei, dass nicht etwa Kommunen Gelder für die Gedenktafeln zur Verfügung stellen, sondern Bürger und Institutionen in den jeweiligen Städten und Gemeinden für die Steine spenden. Kosten: 95 Euro pro Stein. Die Idee funktioniert also nur, wenn sich Bürgerinnen und Bürger für das Erinnern einsetzen. „Das Projekt nimmt uns alle in die Pflicht. Deshalb finde ich die Idee Demnigs so überzeugend“, sagt Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz.
Nachdem Bermann gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Britz im Februar 2009 öffentlich um Unterstützung für das Projekt geworben hatten, kam schnell genügend Geld zusammen, um die Stolpersteine auch in Saarbrücken zu verlegen. Der viel beschäftigte Demnig legt Wert darauf, jeden Stein selbst zu verlegen – schließlich konnte mit dem 10. März ein Termin für Saarbrücken gefunden werden.
Als Vorsitzender der Synagogengemeinde Saar möchte Richard Bermann mit den Stolpersteinen verhindern, dass die Menschen in Vergessenheit geraten, die Opfer der barbarischen NS-Tötungsmaschinerie wurden. „Wir wollen, dass ihrer in besonderer Weise gedacht wird. Mit Stolpersteinen soll die Erinnerung an die Verfolgten der NS-Zeit lebendig gehalten werden, in dem Passanten zum Lesen der Inschriften angeregt werden“, sagte Bermann, „wir wollen die Passanten zum Innehalten bringen, sie sollen mit ihren Gedanken ins ‚Stolpern’ geraten.“
Mit den Stolpersteinen sollten historische Spuren gelegt werden. Bermann: „Spuren, die zum einen das Gedenken an ehemalige Saarbrücker Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens wach halten, die als Minderheiten und Verfolgte der Schreckensherrschaft des Nazi-Regimes im Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen sind. Spuren aber auch, die uns zum Nachdenken anregen sollen.“
Die Synagogengemeinde begreife die „Stolpersteine“ als Aufforderung an alle Menschen, stets mit aller Kraft für die Menschenwürde und die Rechte von Minderheiten einzutreten. Zu den von den Nationalsozialisten während des Dritten Reiches verfolgten Gruppen gehörten auch die Saarbrücker Juden. Bermann: „Männer, Frauen und Kinder, die im KZ ermordet wurden, nur weil sie Juden waren. Zu wenig in unserer Stadt erinnert an diese Menschen und das soll sich durch die Stolpersteine ändern.“
Eine Übersicht der Stolpersteine in Saarbrücken mit einer Kurzbiografie der Ermordeten finden Interessierte im rechten Downloadfeld.
Auskunft erhalten Interessierte bei der Synagogengemeinde unter Telefon: (0681) 91038-0 oder E-Mail: info@synagogengemeindesaar.de. Infos auch unter: www.synagogengemeindesaar.de
Hintergrund:
Die Stolpersteine sind 10 mal 10 Zentimeter groß, aus Beton gegossen und mit einer Messingtafel versehen. Sie werden in öffentliche Gehwege bündig eingelassen, damit niemand durch sie zu Schaden kommen kann.
Sie heißen dennoch „Stolpersteine”, denn wer sie im Vorübergehen sieht, soll im Geiste darüber stolpern, kurz innehalten und die Eingravierung lesen.
Unter der Überschrift “Hier wohnte...” und Daten der Deportation und Ermordung wird mit den Steinen der Opfer des Nazi-Regimes gedacht.
Weitere Informationen zu dem Projekt Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig gibt’s im Internet unter: www.stolpersteine.com
Pressekontakt:
Marcel Wainstock, Synagogengemeinde Saar, (0681) 91038-10, Mail: info@synagogengemeindesaar.de
Thomas Blug, Landeshauptstadt Saarbrücken, (0681) 905-1350, Mail: medien@saarbruecken.de
Gunther Demnig bei der Verlegung
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Gunther Demig bei der Verlegung des ersten Steins
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