Wie funktioniert das Klima in Saarbrücken? Umweltdezernent Breuer stellt neues Klimamodell vor
Das Modell zeigt mit einer Fülle von Detailinformationen zum Beispiel, wo in Saarbrücken klimatisch belastete und wo unbelastete Bereiche liegen. Künftig soll es bei der Planung von Bauprojekten als wichtige Entscheidungshilfe herangezogen werden.
Breuer: „Die Betrachtung klimatischer Auswirkungen von städtebaulichen Projekten gewinnt vor dem Hintergrund des Klimawandels zunehmend an Bedeutung. Sollen künftig solche Aspekte bei der Planung und Umsetzung von Bauvorhaben stärker berücksichtigt werden, benötigen wir eine aktuelle und belastbare Datengrundlage. Mit dem neuen Modell liegt uns erstmals eine Analyse vor, die sich auf das gesamte Saarbrücker Stadtgebiet bezieht.“
Das renommierte Gutachterbüro „GEO-NET“ aus Hannover hatte zunächst seit 2010 das Klima des gesamten Saarbrücker Stadtgebietes analysiert. In das aus einer computergestützten Klimaanalyse entstandene, komplexe Modell sind alle verfügbaren Fachdaten aus Geländestruktur, Flächennutzung, Bebauung und Verkehrsinfrastruktur eingeflossen. Hinzu kamen übergeordnete regionale Klimadaten, zum Beispiel über Luftströmungen.
Klimafunktionskarte zeigt Auswirkungen unterschiedlicher Flächennutzungen
Als sichtbares Endprodukt resultieren nun aus der Stadtklimaanalyse zwei sich auf das gesamte Stadtgebiet erstreckende Darstellungen: eine „Klimafunktionskarte“ und eine „Planungshinweiskarte“. Die unterschiedliche Nutzung von Stadtgebieten hat Auswirkungen auf das Klima. Es macht eben einen Unterschied, ob eine Fläche mit Wohnhäusern bebaut ist oder als Grünanlage genutzt wird. Die Klimafunktionskarte zeigt diese Auswirkungen an. Zudem bildet sie lokale Luftbewegungen ab. Sie zeigt zum Beispiel auch, von wo die Frischluft nach Saarbrücken kommt und wie sie auf die verschiedenen städtischen Bereiche wirkt.
Die Karte gibt zudem Auskünfte über das Bioklima in Saarbrücken. Unter Bioklima versteht man das auf den menschlichen Organismus einwirkende Klima an einem bestimmten Ort. Dabei betrachten Experten insbesondere die Belastung des Menschen durch hohe Temperaturen im Sommer. Bioklimatisch belastete Siedlungsbereiche sind im Sommer vor allem durch ein stärkeres Aufheizen der Gebäude am Tag und ein langsameres Abkühlen in der Nacht gekennzeichnet. Grund sind meist großflächige Versiegelungen und weniger Grün als im Umland. So kann es zum Beispiel dazu kommen, dass trotz der geringen Entfernung zwischen der Berliner Promenade und dem Bürgerpark ein Temperaturunterschied von 2 ½ Grad Celsius bestehen kann und sich die Abkühlraten deutlich unterschieden. Ähnliches lässt sich zum Vergleich zwischen der Grünanlage am Theater und dem Landwehrplatz sagen.
Hinweise auf bioklimatische Belastungsräume aus Planungshinweiskarte
Die „Planungshinweiskarte“ basiert auf den Erkenntnissen der Klimafunktionskarte und weist unter anderem die bioklimatischen Belastungsräume innerhalb der Stadt aus und gibt Verbesserungshinweise. Sie zeigt aber auch bioklimatisch günstige Siedlungsflächen. Hierbei ist von Vorteil, dass das Modell auch kleinräumige Aussagen bis hin zu Wohnblocks ermöglicht.
„Die aktuellen Untersuchungen und Berechnungen helfen uns, komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen. Sie werden der Verwaltung in den kommenden Jahren wertvolle Hinweise für eine zukunftsfähige Gestaltung unserer Stadt liefern“, sagte Breuer. Die Landeshauptstadt ziele in ihren Planungen zunehmend auf den Erhalt bzw. die Schaffung eines gesunden Stadtklimas. Wichtig sei dabei eine auf Dauer angelegte Verbesserung der Luftqualität. Durch die inhaltliche und räumliche Verknüpfung der Klima- und Planungshinweiskarte mit anderen Maßnahmen wie zum Beispiel dem Luftreinhalteplan Saarbrücken, der derzeit erstellt wird, könne man nun eine umfassende, nachhaltige Klimaanalyse der Gesamtstadt auf dem neuesten Stand vorlegen. Verbinde man dies noch mit den aktuellen Ergebnissen einer Analyse der Lärmimmissionen in der Stadt, dann gewinne man, so Breuer, ein erhellendes Bild über unterschiedliche Lebensbedingungen der Saarbrücker Bürger. „Die ökologischen Aspekte korrespondieren mit gesundheitlichen und sozialen Faktoren. Arme Saarbrücker leben unter größeren Umwelt- und Gesundheitsbelastungen als ihre wohlhabenden Mitbürger.“
Die Interpretation der Ergebnisse durch den Gutachter ist noch nicht abgeschlossen. Der Fokus liegt dabei unter anderem auf einer bioklimatischen Verbesserung in belasteten Stadtbereichen. Gleichzeitig sollen klimatisch günstig gelegene Bereiche bewahrt werden.
Ist diese Betrachtung abgeschlossen, können interessierte Bürgerinnen und Bürger die Karten im Internet abrufen und sich über das Bioklima in ihrem Wohnumfeld oder an ihren Lieblingsplätzen informieren. Die Karten geben den Nutzern dann auch Auskunft darüber, welche städtischen Freiräume im Sommer besondere Aufenthaltsqualitäten versprechen.




