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Kultur-Kolumne

Saarbrücker Sommermusik 2018: Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit – Friedrich Schiller

Titelmotiv Sommermusik 2018

Friedrich Schiller, die Musik der Wiener Klassik und die Ambivalenz von Form und Freiheit stehen im Mittelpunkt der Sommermusik 2018.

Das Markenzeichen des Programms der Saarbrücker Sommermusik ist die Verbindung eines literarisch-philosophischen Themenkomplexes mit der Musik einer bestimmten Epoche. In diesem Jahr beschäftigt sich das Festival mit der Thematik „Form und Freiheit“, dem Dichter Friedrich Schiller und der Musik der Wiener Klassik um die Komponisten Haydn, Mozart und Beethoven.

Form und Freiheit! Friedrich Schiller (1759 – 1805) verkörpert diese Ambivalenz wie kaum ein anderer. Einerseits steht sein Werk für die strengen Formen der klassischen Dichtung, für die er geradezu stilbildend wird, andererseits begehrt er immer wieder gegen die politischen Zwänge seiner Zeit auf. Im Vorfeld der französischen Revolution und der demokratischen Bewegungen des 19. Jahrhunderts ist die Freiheit das große Thema seiner Literatur.

Vor allem in seiner Dramatik wenden sich die Protagonisten stets gegen die Unterdrückung der Herrschenden und gegen das feudale System, das Ende des 18. Jahrhunderts sichtlich ins Wanken gerät. Form und Freiheit! Auch in der Musik des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts spielen diese beiden gegensätzlichen Begriffe eine große Rolle.

Die Stilistik der Klassik wird ja gerne mit einem strengen Formbewusstsein gleichgesetzt und gerade in der Musik des Klassizismus setzte sich ein grundlegender Formenkodex durch, der teilweise noch bis heute Gültigkeit besitzt. Die prägenden großen Komponisten dieser Zeit haben aber auch schon daran gearbeitet, jenen strengen Formalismus zu überwinden und zu sehr persönlichen Ausdrucksformen zu finden. Am deutlichsten wird das wahrscheinlich bei Beethoven, der als leidenschaftlicher Republikaner nicht nur den Jakobinern nahestand, sondern auch in einer bis dahin ungekannten Radikalität die Sprache der musikalischen Klassik erweiterte und zu einer ganz eigenen, unverwechselbaren Musik fand, mit der er das gesamte 19. Jahrhundert beeinflusste und das Tor zur Romantik aufstieß.

Er war auch einer der ersten „bürgerlichen“ Komponisten, die sich von der höfischen Kunst lossagten und nur noch den persönlichen Willen als schöpferische Quelle gelten ließen. Aber die Musik Beethovens ist nicht denkbar ohne Haydn und Mozart, die zwar eher noch in der höfischen Tradition standen, aber ebenfalls die klassischen Formen zu individuellen Sprachen erweiterten.

Die Sommermusik 2018 wirft einerseits ihren Fokus auf die Entwicklung der klassischen Formensprache, insbesondere diese drei großen, in Wien beheimateten Komponisten, andererseits  auf die Ideen der bürgerlichen Freiheit und natürlich wird sie sich auch mit der großen französischen Revolution beschäftigen.

Neben ihren Komponistenschwerpunkten konzentrieren sich die Sommermusiken immer auf bestimmte Instrumente, bzw. Instrumentenkonstellationen. In diesem Jahr stehen Bläser –  Holzbläser und Blechbläser – im Mittelpunkt.

Die Saarbrücker Sommermusik will Zusammenhänge zwischen Jazz und Kammermusik aufzeigen. Auch 2018 beinhaltet das Programm wieder beide Musikgenres, darüber hinaus Konzerte, die sowohl das eine, als auch das andere sind. Wie immer wird das Festival von zahlreichen Uraufführungen begleitet. Daneben gibt es kleine Musiktheater-Performances.

Die Sommermusik 2018 beginnt am 27. Juli mit einem Ensemblekonzert „Wiener Klassik“ in der Schinkelkirche in Bischmisheim. Veit Stolzenberger, Solo-Oboist der Deutschen Radiophilharmonie hat eigens für diesen Abend ein kleines Ensemble zusammengestellt, das Werke um das berühmte Oboenquartett von W.A. Mozart musiziert. Das Abschlusskonzert am 3.Oktober ist wieder ein Orchesterkonzert.

Das Kammerorchester Ricercare spielt neben Werken von Mozart und Haydn  auch eine Uraufführung des aus dem Saarland stammenden Mainzer Komponisten Bernd Thewes, der sich in seinem neuen Werk dezidiert mit der Formensprache der Wiener Klassik auseinandersetzen wird. Dazwischen liegt ein dicht gewebtes Musikprogramm vieler unterschiedlichen Ensembles, deren Musiker aus unserer Region, aber auch aus vielen anderen Regionen Deutschlands und des benachbarten Auslands kommen.

Traditionell schließt sich im Spätherbst noch ein kleiner Epilog an, in diesem Jahr ein szenischer Liederabend um Claudia Kemmerer und Ralf Peter im Saarlandmuseum und ein Figurentheaterstück der französischen Puppenspielerin, Sängerin und Performerin Elodie Brochier um Mozart und den Marquis de Sade im Kleinen Theater im Rathaus.

Die Spielstätten der Sommermusik sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt und haben die unterschiedlichen Charaktere, die den jeweiligen Aufführungen entgegenkommen.

Alle Konzerte sind eintrittsfrei.

Weitere Informationen und das Programm finden Sie hier