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Saarbrücker Sommermusik

Die Saarbrücker Sommermusik ist eine kostenlose Konzertreihe mit hohem Anspruch.

Sommermusik 2015: „… und trinken Fahrt und Nacht“

Tsanevski-Quartett

Das Tsanevski-Quartett tritt am 2. August bei der Saarbrücker Sommermusik auf.

Die Veranstaltungsreihe verbindet Kunstmusik mit einem literarisch-philosophischen Themenkomplex, der von den einzelnen Konzerten in verschiedenen Aspekten beleuchtet wird. Das Motto des diesjährigen Festivals „… und trinken Fahrt und Nacht“ stammt aus dem Gedicht „Astern“ von Gottfried Benn (1886-1956).  Es beschreibt den Flug der Schwalben, die sich vor ihrer herbstlichen Reise in den Süden noch einmal mit einem Trunk über dem Wasser stärken.

2015 stehen der Dichter Gottfried Benn (1886-1956) sowie die Themen Rausch, Aufbruch und Reise und dazu gegensätzlich Desillusion und Untergang im Mittelpunkt der Sommermusik. Es geht um Hoffnung und Scheitern. Die Musik stammt in diesem Jahr von Komponisten aus dem Beginn und der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Der Eintritt zu allen Konzerten ist kostenlos. Die Spielstätten der Sommermusik sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt und haben unterschiedliche Charaktere, die den jeweiligen Aufführungen entsprechen.

Das Festival beginnt am Freitag, 24. Juli, mit einem Orchesterkonzert des InZeit-Ensembles im Festsaal des Rathauses St. Johann. Dieses Ensemble widmet sich ganz der Neuen Musik und so stehen wieder einige Uraufführungen auf seinem Programm. Das Konzert steht unter dem Motto „Rausch und Zerfall“ und beschäftigt sich unter anderem mit der Person Gottfried Benn. In den folgenden Monaten können sich musikalisch Interessierte auf über 40 Konzerte mit Kammermusik und Jazz sowie kleine Musiktheaterproduktionen in den verschiedensten Konstellationen freuen. Auch das Abschlusskonzert am Sonntag, 27. September, ist ein Orchesterkonzert. Das Kammerorchester Ricercare spielt das Klavierkonzert Nr. 1 für Klavier, Streichorchester und Trompete op. 35  von Dmitri Schostakowitsch und das Divertimento für Streichorchester von Béla Bartók. Zudem führt Ricercare ein neues Werk von Florian Schwamborn ur auf. Ein Epilog im Herbst ergänzt das Festival.

Das Programm nach einzelnen Monaten

Gottfried Benn, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker des 20. Jahrhunderts

Gottfried Benn (1886-1956) wurzelt im Expressionismus. Er hat sich dann eine eigene, ganz unverwechselbare Sprache geschaffen. Sie steht außerhalb der stilistischen Zeitströme. Seine Sprache verbindet die farbige, rhythmische Kraft des Expressionismus mit einer oft brutal wirkenden Sachlichkeit und assoziativen Elementen des Surrealismus.

Das Sympathisieren vieler Intellektueller mit der Nazidiktatur einerseits und die Konflikte mit einer staatlichen und gesellschaftlichen Gängelung der Kunst andererseits sind Thema der Sommermusik. Am Beispiel von Gottfried Benn werden sie dargestellt.

Zunächst beleuchtet die Sommermusik die Aufbruchstimmung zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die grausame Enttäuschung, die diese im Ersten Weltkrieg erfahren hat. Wie ihre Zeitgenossen konnten viele Intellektuelle, das Scheitern ihrer Ideale, die sie vor dem großen Krieg hatten, nicht verwinden. Die Weimarer Republik mit ihren wirtschaftlichen Nöten empfanden sie als Demütigung. Wieder ließen sie sich täuschen, diesmal von den Heilsversprechen der Nationalsozialisten. Das Erwachen aus diesem Wahn setzte bei vielen nicht erst mit dem Kriegsende und dem Versagen der nationalsozialistischen Idee ein.

Der Individualismus und das Vermögen zur eigenen Vision waren mit den Vorstellungen der nationalsozialistischen Bewegung unvereinbar. Die nationalsozialistische Bewegung ließ neben ihrer eigenen Utopie keine andere gelten. Individualismus und das Vermögen zur eigenen Vision sind aber Voraussetzungen für große kreative Leistungen.

Wie alle Diktaturen forderten die Nazis eine, in ihrem Sinne gesellschaftliche Relevanz des künstlerischen Werkes. Sie bewerteten Kunst nach den Maßstäben der Propaganda. Auch Gottfried Benn hat eine Zeit lang mit dem Faschismus sympathisiert. Aber seine radikale Ästhetik ließ sich mit den doktrinären Forderungen des Regimes nicht vereinbaren. Er musste schon bald ein Schreib- und Publikationsverbot hinnehmen. Der Traum vom Aufbruch, von der neuen, besseren Welt des „Dritten Reiches“ war ausgeträumt. Gottfried Benn und seine Zeitgenossen erwachten in einer Realität, die von Menschenverachtung, Ignoranz und Duckmäuserei vergiftet war.

Die Sommermusik 2015 beschäftigt sich mit dem musikalischen Umfeld, also mit den Zeitgenossen von Gottfried Benn. Verschiedene Komponistenpersönlichkeiten aus dem Beginn und der Mitte des 20. Jahrhunderts stehen im Zentrum des diesjährigen Festivals. Auch bei den Komponisten hat die Erfahrung von politischem Zwang und Entfremdung eine Rolle gespielt. Dies ist etwa im Werk von Paul Hindemith, Béla Bartok, Sergei Prokofjeff oder Dmitri Schostakowitsch und den vielen jüdischen Komponisten, die ins Ausland fliehen mussten oder sogar ermordet wurden, der Fall.

Neben ihren Komponistenschwerpunkten konzentrieren sich die Sommermusiken auf bestimmte Instrumente beziehungsweise Instrumentenkonstellationen. In diesem Jahr stehen ungewöhnliche Instrumentalbesetzungen im Mittelpunkt. Viele Konzerte verbinden unterschiedliche Aspekte der Schwerpunksetzung.

L’été musical de Sarrebruck

L’été musical de Sarrebruck est un cycle de concerts gratuits de qualité, qui allient art et fête populaire.

De juillet à septembre, les mélomanes peuvent assister à une bonne quarantaine de concerts de musique de chambre et de jazz ainsi qu’à de petites productions de théâtre musical dans les constellations les plus variées. Les spectacles sont présentés dans divers lieux répartis dans toute la ville, entre autres au « Kleines Theater » de l’Hôtel de ville, au « Theater im Viertel » et à la Stadtgalerie.