Geschichte der Stadtbibliothek
Die Stadtbibliothek Saarbrücken ist neben der Universitätsbibliothek die größte Einrichtung dieser Art im Saarland.
(1909 Großstadt Saarbrücken)
Seit 1911 gab es mehrfach Anregungen zur Gründung einer Öffentlichen Bücherei. Die Literaturversorgung wurde in dieser Zeit durch konfessionelle Büchereien, private Leihbibliotheken und den Volksbildungsverein getragen.
1923 Die Stadt übernahm die Bibliothek des Lehrervereins (ca. 1.000 Bd.), die Bibliothek des Volksbildungsvereins (ca. 12.000 Bd.), Bücher der Handelskammer (ca. 7.000 Bd.), die Leihbibliothek Hofer (ca. 5.000 Bd.) und eine Leihgabe des Stifts St. Arnual (ca. 3.000 Bd.). Die Bücher waren jedoch nur bedingt für eine Öffentliche Bildungsbücherei geeignet und wurden daher teilweise ausgeschieden.
Außerdem übernahm die neue Bücherei die Verwaltung der Patentschriftensammlung (ca. 200.000), die aus Raum- und Personalmangel bereits 1930 wieder an die Handelskammer abgegeben wurde.
Neben der Öffentlichen Bücherei entstand eine kleine Musikaliensammlung, ein Lichtbildarchiv mit ca. 2.500 Platten und eine medizinische Fachbibliothek.
Untergebracht war die Bücherei in Räumen des Saalbaus am Neumarkt.
1924 Leitung: Bibl. Kohlstadt
- Hauptaufgabe war die Sichtung und Zusammenfassung der übernommen Bücher nach Literatur- und Wissensgruppen z.B. Erstellen eines Bücherverzeichnisses der Schönen Literatur (ca. 9.000 Titel).
- systematischer und alphabetischer Zettelkatalog
- Lesezimmer mit Handbibliothek und Zeitschriftenauslage
- drei Ausleihschalter, von denen einer ganz für die wissenschaftliche Ausleihe vorbehalten war.
1925 Gründung der Zweigstelle BURBACH
(zunächst in privaten Räumen in der Wilhelmstr., dann in der Schule an der Bergstr.)
1927 Reorganisation der Stadtbücherei und der Zweigstelle Burbach
(Vorbild: Leipziger Bücherhallen)
- Überarbeitung der schönen Literatur (ca. 2.500 Titel 'wirklich wertvolle und als Bildungsgut verwendbare ...')
- Ergänzung durch Neukauf
1929 Leitung : Dr. Walther Koch
weitere Reorganisation und weiterer Aufbau des städtischen Büchereiwesens
- Überarbeitung der Gruppe Lebensbilder
- Überarbeitung der Gruppe Länder- und Völkerkunde mit Reisebeschreibungen
- Überarbeitung weiterer Gebiete
Änderung der inneren Organisation und Verwaltung:
drei Abteilungen: Bestellabteilung; Buchbinderabteilung, Abteilung für Sachbearbeitung
Anschluß an den Reichsleihverkehr 'Grenzlandbücherei'
- heller, größerer Ausleihraum
- Lesesaal mit 30 Plätzen und verschiedenen Handbibliotheken, Zeitschriften und Fachzeitschriften für ernste wissenschaftliche Studien
- Lesehalle (in den oberen räumen der Markthalle) mit Zeitungen und einfachen Zeitschriften (Vorlesehalle)
Der wissenschaftliche Bestand ist (gegen eine erhöhte Benutzungsgebühr) auch zugänglich für auswärtige Leser aus dem gesamten Saargebiet.
1930 Zusammenarbeit mit der Bibliothek des Historischen Vereines (Leiter: Prof. Fritz Kloevekorn) um Doppelanschaffungen zu vermeiden (zunächst auf zwei Jahre befristet). Die Vereinsbibliothek wurde damit der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich.
Es gab jedoch immer wieder Bestrebungen die Bibliothek der Städtischen Bücherei anzugliedern.
1931 Gründung der Zweigstelle Malstatt
in den privaten Räumen in der Ludwigstr. in der Nähe des Malstatter Marktes)
Spende von ungefähr 11.000 Bd. mit allem Zubehör von Fr. Zanders aus Bergisch Gladbach.
--- (Leserzahlen steigen von 1928 bis 1933 von 3.345 auf 6.932)
--- (Ausleihzahlen steigen von 1928 bis 1932/33 von 48.904 auf 91.078)
1934 22bändiges Katalogwerk des Bestandes der Stadtbücherei (u.a. 2 bändiger Geschichtskatalog + Katalog 'Saarheimat' + Katalog 'Das neue Deutschland')
1938 am 20. Juni wurde der Bestand des Historischen Vereins als Dauerleihgabe der Stadtbücherei angegliedert (ca. 15.00 Bände). Im November begann der Aufbau der Landeskundlichen Abteilung durch Herrn Dr. Karl Gerber.
Am 29. Oktober wurde die Stadtbücherei dann in den beiden umgebauten Schulhäusern (gebaut 1872/74 bzw. 1886) am Planettaplatz (heute Max-Ophüls-Platz) neueröffnet.
- Ausleihraum mit 38 Katalogbänden
- großer Studiensaal mit über 2.000 Bänden und Zeitschriften
- Buchbinderei mit Werkstatt
1944 Zerstörung der Zweigstellen Burbach, Malstatt, Jägersfreude durch die Luftangriffe (Gesamtbestand ca. 25.000 Bände)
Die Hauptstelle mit Landeskunde (ca. 65.000 Bände) bleibt nahezu unversehrt (teilweise ausgelagert).
1945 - 1959 Leitung: (wieder) Bibl. Kohlstadt
1946 Dezember: ein Teil der Buchbestände war dem Publikum wieder zugänglich
1953 - 1956 Gründung der Kinder- und Jugendbücherei als moderne FREIHANDBÜCHEREI (Nauwieserstr. 5) mit ca. 6.400 Bänden
1956 Wiedereröffnung der Zweigstelle Burbach
Gründung der Kinder- und Jugendbibliothek in der Rodenhof-Schule (Bestand ca. 5.100 Bände)
Gründung der Kinder- und Jugendbibliothek in der Knappenroth-Schule (Bestand ca. 5.000 Bände)
1959 Eröffnung der Zweigstelle St. Arnual (Bestand ca. 3.000 Bände)
Eröffnung der Zweigstelle Mügelsberg (Bestand ca. 6.000 Bände)
--- (Gesamtbestand der Bücherei: 122.700 Bände)
1959 - 1960 Interimsleitung
1960 - 1967 Leitung: Bibl. Oberrat Dr. Helmut Thurm
1964 Bibliothekssystem: Hauptstelle, Kinder- und Jugendabteilung, Landeskunde
6 Zweigstellen: Bürgerhospital, Burbach, Knappenroth, Mügelsberg, Rodenhof, St. Arnual
Bestand: Einheitsbücherei = 3/4 wissenschaftliche, 1/4 Schöne Literatur
Nach München ist Saarbrücken mit seiner Zweigstelle im Bürgerhospital die zweite Bibliothek mit einer Zweigstelle in einem Krankenhaus. (Bei der Planung des Neubaues = Winterberg-Krankenhaus ist ebenfalls eine Zweigstelle vorgesehen.)
Die Baupolizei schließt das Obergeschoß des Gebäudes Nauwieserstr. 5
ca. 1967 - 196? Interimsleitung (Fr. Dr. Ricke)
ca. 196? - 1976 Leitung: Hr. Heymann
ca. 1976 - 1978 Interimsleitung (Fr. Gräf)
1978 - 1985 Leitung: Herr Dr. Horst Neißer
1979 Der erste Bücherbus versorgt auch die Bevölkerung der Randgebiete
1981 Bibliothekssystem: Hauptstelle, Kinder- und Jugendabteilung, Landeskunde
8 hauptamtlich geleitete Zweigstellen: Brebach, Burbach, Fahrbücherei, Knappenroth, Krankenhaus (Winterberg, Hüttenkrankenhaus), Mügelsberg, Rodenhof, St. Arnual (Dudweiler)
9 nebenamtlich geleitete Zweigstellen: Altenkessel, Bischmisheim, Fechingen, Gersweiler, Güdingen, Klarenthal, Ottenhausen, Rockershausen, Schafbrücke (durch Gebietsreform: Scheidt)
1982 Auch das Gebäude Nauwieserstr. 3 wird jetzt von der Bibliothek genutzt (Landeskunde, Kinder- und Jugendabteilung)
1985 - 1991 Leitung: Fr. Irmgard Steinhauer
1985 - 1987 Als ABM wurde ein Computerzenter eingerichtet, außerdem wurde der Versuch einer Videoausleihe gestartet. (jedoch aus Personal- und Geldmangel nicht weitergeführt)
(Restbestand der Videos: 83, in Zweigstelle Brebach, 1995)
1987 Der Bestand wird jetzt auch durch CDs ergänzt (bis heute mit großem Erfolg)
1989 Der zweite Bücherbus 'Die mobile Schulbibliothek' fährt ca. 25 städtische Grund- und Hauptschulen an.
1990 (Gesamtbestand der Bibliothek: mehr als 125.000 Medien) (Ausleihe: bis zu 650.000 Medien)
Hauptstelle, Kinder- und Jugendabteilung, Landeskunde, 9 Zweigstellen
1991 - Leitung: Herr Leo Prawitt
1992 Beginn der Medienerfassung in die EDV
1993 Das Gebäude Nauwieserstr. 5 (Hauptstelle) wird von der Baupolizei wegen akuter Einsturzgefahr geschlossen. Umzug ins Rathaus St. Johann (Ausleihfläche wird dabei von ca. 480 qm auf 180 qm reduziert)
1.1.1994 Umstellung der Ausleihe auf EDV (SISIS von Siemens-Nixdorf)
1995 Schließung des Bücherbusses I
1998 nach vielen verschiedenen Plänen (1958 Standort UT-Kinos, Landwehrplatz, 1990 Hafeninsel, Überbauung des Max-Opüls-Platzes, Gebäude des BIZ) findet die Bibliothek im Rathausneubau Platz.
(Baubeginn war Januar-Februar 1995)
Oktober 1998 Neueröffnung der Bibliothek am Gustav-Regler-Platz 1
1999 Die Zweigstellen gehen in andere Trägerschaft über:
1.9.1998 Brebach (evang. Kirche)
1.9.1999 Knappenroth (AWO und Zukunftswerkstatt Molschd)
1.2.2000 St. Arnual (Pädsak)
1.5.2000 Burbach (Caritas-Verband + Diakonisches Werk)
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Zusammengestellt aus:
Jungmann, Kurt: 40 Jahre Stadtbücherei Saarbrücken. - in: Landeszeitung, Ausg. A/B Nr. 237 vom 12.10.1964
Koch, Walter: Entwicklung des städtischen Büchereiwesens. - in: 25 Jahre Stadt Saarbrücken. - Saarbrücken: Saarbrücker Druckerei, 1934. - S. 217-222
Neißer, Horst: Die Stadtbücherei. - in: Das Saarlandbuch. - Saarbrücken, 1981. - S. 243
Petto, Walter: Zur Geschichte der Bibliothek. - in: Zeitschrift für die Saargegend. Jg. 22, 1974, S. 361-369
Ricke, ...: 35 Jahre Stadtbücherei Saarbrücken. - in: Saarbrücken - 50 Jahre Großstadt (1909-1959). - Saarbrücken, (1959). - S. 292ff
Steinhauer, Irmgard: Die Stadtbibliothek. - in: Das Saarlandbuch. - Saarbrücken, 1990. - S. 301




